Aktien: USA pfui, Europa hui

Investmentfonds von Stefan Terliesner

Die Konjunktur in den USA könnte trotz Trump-Stimulus nur langsam wachsen. Auch deshalb sollte bei Aktieninvestments die Eurozone übergewichtet werden, vermutet DJE-Kapital-Vize Jan Ehrhardt.

Was bewirkt der neue US-Präsident Donald Trump?

Was bewirkt der neue US-Präsident Donald Trump? Foto: hafteh7 - Pixabay.de

„Was ist in den kommenden Monaten von der größten Volkswirtschaft der Welt und der Wall Street zu erwarten?“ Diese Frage beantworte Jan Ehrhardt, der stellvertretende Vorstandschef der DJE Kapital AG, in einem Marktkommentar. Seiner Meinung nach „lässt sich aktuell so mancher Augur dazu hinreißen, die Amtseinführung der Trump-Administration mit dem Startschuss für einen Konjunkturboom in den USA gleichzusetzen.“ Schließlich habe der neue US-Präsident im Wahlkampf massive Ausweitungen der Staatsausgaben zugunsten der maroden Infrastruktur angekündigt.

Zinsen und Dollar sorgen für Beruhigung  

„Allerdings“, so Ehrhardt, „ist die Lage bei genauerem Hinsehen diffiziler: Trotz der zuletzt überwiegend guten Konjunkturindikatoren lassen die jüngsten Steigerungen der Hypothekenzinsen sowie der festere Dollar, der Gegenwind für die Exportzahlen darstellt, für das Jahr 2017 eine Konjunkturberuhigung erwarten.“

Sollten die angekündigten Investitionen tatsächlich vorgenommen werden, dürfte dieser Stimulus wahrscheinlich erst in 2018 wirken, vermutet der Anlagestratege. Und selbst wenn die angekündigten rund 100 Milliarden US-Dollar in die Infrastruktur investiert werden, entspräche dies letztlich nur 0,5 Prozent des gesamten US-Bruttosozialprodukts.

Verschuldung wird zur Konjunkturbremse  

Ein entscheidender Grund für die aktuelle Unsicherheit sei die Verschuldung in den Vereinigten Staaten. Grundsätzlich gelte: Je stärker eine Volkswirtschaft verschuldet ist, desto mehr wirken sich Zinssteigerungen konjunkturbremsend aus. Da die US-Staatsverschuldung in Wirklichkeit wesentlich höher sei als die offiziell ausgewiesenen 108 Prozent– de facto liege diese bei 140 Prozent – könnten Zinssteigerungen in diesem Jahr für wenig erfreuliche Konjunkturmeldungen sorgen.

Rechne man die Schulden der US-Unternehmen und Verbraucher hinzu, verdoppele sich diese Zahl noch einmal. Für 2017 wurden von der US-Notenbank drei Zinserhöhungen angekündigt, stellt Ehrhardt fest. Hintergrund sei ein möglicher Inflationsanstieg und ein Gegensteuern bei höherem Staatsdefizit durch Infrastrukturprogramme sowie Steuersenkungen für Firmen und reiche US-Privatpersonen.

Ob es aber 2017 tatsächlich zu einem US-Konjunkturboom und dabei höheren Inflationsraten mit einer Notenbank-Bremsung in der Folge kommen wird, sei fraglich. Vielmehr erwartet Ehrhardt, „dass die konjunkturellen Bäume in den USA nicht in den Himmel wachsen und sogar hinter Europa zurückbleiben.“ Und weiter: „Der Trump-Effekt könnte ab 2018 wirken, steht aber auf dünnem Eis.“

Aktienrückkäufe treiben die Kurse

Positiv für die Wall Street wäre nach Meinung des Anlageexperten ein Rückholprozess der in Steueroasen liegenden Unternehmens-Billionen in die USA. Diese würden weniger für Investitionen, sondern eher für Aktienrückkäufe  eingesetzt werden.

Die Aktienrückkäufe erklärten auch die bessere Entwicklung des US-Marktes in den vergangenen Jahren im Vergleich zu anderen Börsen. Sollte in den USA der Trump-Versuch zur Wirtschaftsbelebung durch mehr Staatsschulden misslingen, zum Beispiel, weil steigende Zinsen den Aufschwung abwürgen, so kann es im Verlauf des zweiten Halbjahres zu einer anderen Situation kommen, meint Ehrhardt.

Bei dann wieder aufkommenden Konjunkturbedenken könnten sich die vorgenommenen Zinserhöhungen als Fehler herausstellen. Europa hat mehr Luft Vor diesem Hintergrund habe der Vermögensverwalter US-Aktien zugunsten von Werten aus der Eurozone untergewichtet. „Die Bewertungsniveaus haben in der Breite in Europa mehr Luft nach oben, während der US-Markt hier weniger Spielraum hat“, sagt Ehrhardt. 

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