Versicherern drohen Belastungen von 160 Milliarden Euro

Versicherungen von Martin Thaler

Die europäische Versicherungsaufsicht hat die europäischen Versicherer einem Stresstest unterzogen. Ein Ergebnis: Sollten die Niedrigzinsen andauern, wird das insbesondere für die deutschen Lebensversicherer zum Problem.

Die EIOPA, hier ihr Chef Gabriel Bernardino, unterzog die europäischen Versicherer einem Stresstest.

Die EIOPA, hier ihr Chef Gabriel Bernardino, unterzog die europäischen Versicherer einem Stresstest. Foto: EIOPA

Dass die deutschen Lebensversicherer derzeit keinen leichten Stand haben, ist nicht wirklich etwas Neues. Unlängst hatte bereits die Ratingagentur Fitch einen Blick auf die Branche geworfen und kein allzu positives Bild gezeichnet. Es ist auf der einen Seite die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank, die die Versicherer belastet, auf der anderen Seite sind da noch zu stemmende Großprojekte wie die Digitalisierung.

Nun unterzog auch die europäische Versicherungsaufsicht EIOPA 236 europäische Versicherungen einem sogenannten Stresstest. Untersucht wurde, ob die Versicherungen auch unter Extrembedingungen, wie einem andauernden Niedrigzinsniveau plus einem gleichzeitigen Absacken der eigenen Aktienkurse, in der Lage sind, ihre Verpflichtungen gegenüber ihren Kunden zu erfüllen.

Die gute Nachricht: Derzeit sind die europäischen Versicherer ausreichend kapitalisiert. Das betrifft auch die 20 deutschen Lebensversicherer, die beim Stresstest berücksichtigt wurden. Zwei Unternehmen patzten jedoch bereits hier, sie wiesen eine SCR-Quote (Solvency Capital Requirement) von unter 100 Prozent auf – Namen wurden aber nicht genannt.

GDV bezweifelt Aussagekraft

Sollte aber ein Extremszenario eintreten, müssten sich die Versicherer auf hohe Belastungen einstellen. Dauern die derzeitigen Niedrigzinsen dauerhaft an, drohen europäischen Versicherern Belastungen in Höhe von 100 Milliarden Euro. Besonders stark betroffen sind hiervon deutsche Lebensversicherer. Allein auf sie kämen Belastungen in Höhe von 27,89 Milliarden Euro zu.

Dies liegt vor allem an den hohen Zinsgarantien der Vergangenheit, die für die deutschen Versicherer immer mehr zur Belastung werden. „Insbesondere zeigt der EIOPA-Stresstest 2016, dass die einbezogenen deutschen Lebensversicherer im Vergleich mit dem europäischen Durchschnitt gerade beim ‚Low-for-Long‘-Szenario besonders sensibel reagieren – was nicht wirklich überrascht“, sagt Dr. Frank Grund, Exekutivdirektor bei der deutschen Finanzaufsicht Bafin.

Noch höher fallen die Belastungen aus, wenn zu den Niedrigzinsen auch noch fallende Werte für Aktien, Währungen und Immobilien kommen. Mit 160 Milliarden Euro würden die Belastungen dann zu Buche schlagen, rechnete die EIOPA vor. Auf die deutschen Assekuranzen kämen dabei Belastungen von 26,76 Milliarden Euro zu.

Wie aussagekräftig die Ergebnisse des Stresstests sind, darüber gehen die Meinungen jedoch auseinander. Gering schätzt die Aussagekraft der Branchenverband GDV ein, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet. Schließlich beruhen die Szenarien auf sehr unwahrscheinlichen Annahmen, hieß es von Seiten des Verbands. 

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