Überziehungskredite der Bundesbank erreichen Allzeithoch

Investmentfonds von Stefan Terliesner

Gleichzeitig weist Fuest in einer Pressemitteilung auf eine „bedrohliche Entwicklung für Deutschland und die Eurozone“ hin. Er meint die Überziehungskredite der Bundesbank an das Euro-System (Target-Salden). Im November sind sie auf ein Allzeit-Hoch von 754 Milliarden Euro gestiegen. Die Bundesbank veröffentlicht ihre Forderungen aus Target2 monatlich auf dieser Internet-Seite. Laut Fuest betrug allein im November der Zuwachs 46 Milliarden Euro. „Der starke Anstieg dürfte vor allem auf die zunehmende Kapitalflucht aus Italien und auf die Rückkauf-Aktionen der EZB zurückgehen“, sagt der Präsident des ifo Instituts.

Und weiter: „Die Bundesregierung sollte intervenieren, um die EZB zu veranlassen, Maßnahmen zu ergreifen, den unrechtmäßigen und übermäßigen Gebrauch der Überziehungskredite für eine Vermögensumschichtung in der Eurozone einzudämmen“. Auch andere Ökonomen wie zum Beispiel Heinz-Werner Rapp, Vorstand der FERI Gruppe, weisen auf flüchtendes Kapital aus einigen Euro-Ländern hin und werfen der EZB eine Verschleierung der Risiken vor, wie procontra berichtete.

Steuerzahler in der Haftung

Nach Einschätzung von Fuest ist die Entwicklung bedrohlich für Deutschland und die Eurozone, weil die von der Bundesbank zwangsweise vergebenen Überweisungskredite mittlerweile fast die Hälfte des Netto-Auslandsvermögens Deutschlands ausmachen. Im Falle eines Auseinanderbrechens des Euros wären erhebliche Teile dieses Vermögens der Bundesbank vermutlich abzuschreiben. 

Der Verlust träfe den deutschen Staat und damit den Steuerzahler. Der Rückkauf von Staatspapieren durch die nationalen Notenbanken schwemmt derzeit sehr viel Überweisungsgeld nach Deutschland, das großenteils für den Kauf deutscher Aktien und Firmen verwendet wird, schreibt der ifo-Präsident.

Die Forderungen der Bundesbank resultieren Fuest Aussagen zufolge aus Überweisungskrediten im Auftrag ausländischer Notenbanken, die dazu dienen, in Deutschland Güter oder Vermögensobjekte zu kaufen oder Schulden zu tilgen, ohne dass es entsprechende Gegenleistungen des Auslands gibt. Anders als es zum Beispiel zwischen den District-Notenbanken der USA der Fall sei, müssten die Target-Schulden der anderen Notenbanken in Europa nicht getilgt werden, sondern blieben als derzeit unverzinsliche Buchschulden bestehen.

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