Überziehungskredite der Bundesbank erreichen Allzeithoch

Investmentfonds von Stefan Terliesner

Im November sind sie auf 754 Milliarden Euro gestiegen. Eine „bedrohliche Entwicklung für Deutschland“. Hintergrund ist das gerade verlängerte gigantische Anleihekaufprogramm der EZB.

Die EZB gab gestern bekannt, ihr Anleihekaufprogramm Quantitative Easing bis Ende 2017 zu verlängern.

Die EZB gab gestern bekannt, ihr Anleihekaufprogramm Quantitative Easing bis Ende 2017 zu verlängern. Foto: KWEHRLE - pixabay.de

Der gestrige Beschluss des EZB-Rates, das Anleihekaufprogramm Quantitative Easing (QE) bis Ende 2017 zu verlängern, ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker der Europäischen Zentralbank (EZB). Das Gesamtvolumen von QE beliefe sich dann auf 2,3 Billionen Euro. Aktuell hat die EZB Anleihen im Volumen von 1,5 Billionen Euro gekauft. Anfang September lag der Betrag noch bei 1,2 Billionen Euro.

Der Großteil der Wertpapierkäufe entfällt auf Staatsanleihen.

Verbotene Staatsfinanzierung

Für die EZB-Kritiker sind die Staatsanleihenkäufe eine verbotene Staatsfinanzierung. Medien zufolge sagte EZB-Chef Mario Draghi gestern auf der Pressekonferenz, dass es das Ziel der EZB sei, die Zinsen weiter zu drücken, ohne die Preisbildung zu zerstören.

Solche Aussagen könnten als Beleg gewertet werden, dass es der EZB doch darum geht, kriselnden Euro-Staaten niedrige Anleihezinsen zu garantieren.

Beschluss ohne die Stimme der Bundesbank

Den Beschluss des EZB-Rates zur QE-Verlängerung - die Bank kauft ab April 2017 monatlich für 60 Milliarden Euro Anleihen, statt bis dahin für 80 Milliarden Euro - wurde nach Informationen der Börsen-Zeitung unter anderem von Bundesbankpräsident Jens Weidmann nicht mitgetragen.

Das Anleihekaufprogramm wurde jetzt offiziell bis Dezember 2017 verlängert, dürfte gemäß früheren Aussagen von Draghi, dass ein abruptes QE-Ende nicht infrage komme, tatsächlich aber weit in das Jahr 2018 hinein reichen. Für ifo-Präsident Clemens Fuest ist aber zumindest die Verringerung der monatlichen Käufe von Staatsanleihen um 20 Milliarden Euro „ein Schritt in die richtige Richtung“.

Nach Einschätzung des ifo Instituts werde die Euro-Inflationsrate bis März 2017 auf eine Jahresrate von 1,5 Prozent steigen und bis Ende 2017 auf 1,6 Prozent. Das sei dann nahe an den knapp unter zwei Prozent, die die EZB anstrebt. Das Inflationsargument für die Anleihekäufe trage also 2017 nicht mehr, meint Fuest.

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