IDD-Umsetzung: Nutznießer ist die AO - die Kunden verlieren

Berater Recht & Haftung Top News von Jürgen Schirmer

Die geplante Umsetzung der Vermittlerrichtlinie birgt das Potenzial, das seit Jahrzehnten bewährte Verhältnis zwischen Produktgebern auf der einen Seite und Kunden mit den sie betreuenden Maklern auf der anderen Seite zu zerstören, warnt Jürgen Schirmer, Geschäftsführer Assekuranz beim Maklerverbund Fondskonzept. Warum insbesondere die Vergütungsregelungen ein Schwachpunkt sind.

Jürgen Schirmer

Jürgen Schirmer, Geschäftsführer Assekuranz beim Maklerverbund Fondskonzept, hält den Umsetzungsentwurf zur IDD für überzogen. Bild: FondsKonzept AG

Der Entwurf ist neben positiven Aspekten wie der Harmonisierung bei der Vermittlung von Fondspolicen zu den Bestimmungen von MiFID II über das Ziel hinausgeschossen. Versicherungsmakler werden aufgrund der potenziellen Kundenabwerbung und überzogenen Betreuungspflicht durch Versicherer geschwächt und durch eine pauschale Provisionsabgabe in ihrer Freiheit eingeschränkt. Nutznießer dieser Verschiebungen zulasten der Pluralität ist die Ausschließlichkeit und Verlierer sind die Kunden. So haben die Inhalte des Referentenentwurfs das Potenzial, seit Jahrzehnten bewährte Marktstrukturen mit einer klaren Trennung zwischen Produktgebern auf der einen Seite sowie Kunden und den sie betreuenden Maklern als Produktnehmer auf der anderen Seite zu zerstören. Ein grober Schwachpunkt ist die neue Vergütungsregelung, wonach ein Versicherungsvermittler seine Tätigkeit nur durch ein Versicherungsunternehmen vergüten lassen darf. Diese läuft dem Maklerprinzip zuwider, der per definitionem im Auftrag seiner Kunden als Sachwalter handelt und bei der Wahl seines Geschäftsmodelles die Möglichkeit haben muss, von Kunden für seine zusätzlichen Dienstleistungen vergütet zu werden.

Auch das um eine Ausnahmeregelung für Ausschließlichkeitsorganisationen erweiterte Provisionsabgabeverbot erweist in dieser Form unabhängigen Versicherungsmaklern einen Bärendienst. Der Ausnahmetatbestand könnte von den Ausschließlichkeitsagenten mutmaßlich dazu genutzt werden, unterscheidende Strukturelemente wie das Vorhalten eines Agenturnetzes als „Leistungserhöhung“ für den Kunden und Begründung für Provisionsabgaben heranzuziehen.

Eine weitere schwerwiegende Schwachstelle im Gesetzestext ist last but not least die „Betreuungspflicht“ der Kunden durch die Versicherer nach einem Vertragsschluss. Auch dieser Punkt konterkariert den Maklergedanken und ermöglicht den Ausschließlichkeitsvertretern einen unkontrollierten Zugriff auf die Bestände des Maklers, bei dem es nur Verlierer geben kann: Der Kunde, der nach dem Motto „Viele Köche verderben den Brei“ mit verschiedenen Ansprechpartnern konfrontiert wird sowie der Makler selbst, der mit Umsatzeinbußen rechnen muss – etwa aufgrund von ausbleibenden Folgeverträgen.
FondsKonzept schließt sich in allen drei genannten Punkten der Argumentation des AfW - Bundesverbandes Finanzdienstleistung an, nach der die IDD-Umsetzung unverhältnismäßig in das Berufsbild des Maklers eingreift und ihn in seiner Unabhängigkeit und Wahlfreiheit bei den Vergütungsmodellen schädigt.

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