Gothaer setzt auf Kooperationen

Versicherungen von Stefan Terliesner

Der Gothaer-Konzern schrumpft vor allem im Bereich Leben. Das Eigenkapital wird kräftig aufgestockt. Ab Januar gibt es eine Cyber-Police im Angebot.

Gothaer-Konzern-Chef: Dr. Karsten Eichmann

„Für die Versicherungswirtschaft scheint nicht die Sonne", so Dr. Karsten Eichmann, Konzernchef der Gothaer. Bild: Gothaer

„Für die Versicherungswirtschaft scheint nicht die Sonne", sagte Konzernchef Karsten Eichmann gestern in Köln. Auch um gegenüber Pharmaunternehmen und Krankenhäusern bessere Konditionen durchzusetzen, hat die Gothaer mit drei anderen Gegenseitigkeitsversicherern in der Krankensparte das Joint Venture LM+ im Leistungsmanagement gegründet. procontra berichtete im März über das Novum in der Branche. Zudem besteht mit der HUK-Coburg eine Partnerschaft, in der der Konkurrent Gewerbeversicherungsgeschäft an die Gothaer vermittelt. Weitere Kooperationen werden gesucht.

Schlusslicht im Markt

Der Gothaer-Konzern will sein Eigenkapital bis Ende 2016 voraussichtlich um 10 Prozent auf gut 2 Milliarden Euro stärken. Mit Blick auf die finanzielle Stabilität im Niedrigzinsumfeld will der Konzern bis Mai 2017 eine Solvenzquote auch ohne Puffer von über 100 Prozent zeigen. Gothaer hat wie viele andere Versicherer auch Übergangsmaßnahmen bei der Finanzaufsicht BaFin beantragt. Die derzeitige Solvenzquote in der Lebensparte wollte der Vorstand laut einem Zeitungsbericht nicht nennen. Der Konzern sei „kommod“ ausgestattet, soll Eichmann geantwortet haben. Die Überschussbeteiligung in der Lebensversicherung hat die Gothaer für das kommende Jahr von 2,5 Prozent auf 2,0 Prozent gesenkt. Sie ist damit bislang das Schlusslicht im Markt.

Minus bei den Bruttobeiträgen

Den Angaben des Versicherers zufolge sinken in diesem Jahr die gebuchten Bruttobeiträge auf Konzernebene voraussichtlich um 3 Prozent auf 4,38 Milliarden Euro. Das größte Minus zeigt sich in der Lebensversicherung. Der Rückgang hier um 7,6 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro resultiert primär aus dem Einmalbeitragsgeschäft. Das Neugeschäft expandiert bis zum Jahresende vermutlich um 4,6 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro Beitragssumme. Klassische Produkte verlieren planmäßig weiter an Bedeutung. Kern der Neuausrichtung ist das Gothaer ZukunftsVorsorge-Produkt, das Mitte 2016 eingeführt wurde. Der Neugeschäftsanteil im Bereich kapitaleffiziente Altersvorsorge ist mittlerweile auf fast 40 Prozent gestiegen. Ein weiteres Drittel entfällt auf biometrische Produkte.

bAV als Hoffnungsbringer

Die gebuchten Bruttobeiträge in der Krankenversicherungssparte liegen mit voraussichtlich 821 Millionen Euro um 0,9 Prozent unter dem Niveau von 2015. Das Neugeschäft steigt um etwa acht Prozent auf 1,3 Millionen Euro Monatsbeitrag.
In der betrieblichen Krankenversicherung sieht die Gothaer „großes Potenzial“. 2016 habe man bereits namhafte Unternehmen als Kunden gewinnen können. Die gebuchten Bruttobeiträge der Gothaer Allgemeine Versicherung AG steigen 2016 wohl um 1,2 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro um 1,2 Prozent über dem Niveau von 2015.
Ab Januar 2017 erweitern der Kölner Gegenseitigkeitsversicherer sein Portfolio für Unternehmerkunden um eine Cyber-Versicherung.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare