Wie schwer wiegt die Zinszusatzreserve wirklich?

LV-Check Top News Versicherungen von Matthias Hundt

Seit 2011 drängt sich die Zinszusatzreserve (ZZR) als Kennzahl der Lebensversicherer in den Vordergrund. Die absolute Höhe sagt aber wenig darüber, ob und wie kritisch die Belastung ist.

Die Bundesbank veröffentlichte jüngst den Bezugszins zehnjähriger Null-Kupon-Euro-Zinsswapsätze für Oktober. 0,513 Prozent bedeuten nach September und August die dritte Erhöhung in Folge und einen Jahresmittelwert von aktuell 0,48 Prozent. Bleibt es so, wird sich der Referenzzins für die Zinszusatzreserve (Zehnjahresmittel) für 2016 bei 2,55 Prozent wiederfinden. Das bedeutet, für alle Bestandsverträge mit darüber liegenden Garantien (2,75 %, 3,25 %, 3,5 % und 4 %) müssen die Lebensversicherer die Differenz weiter mit einer Zinszusatzreserve stützen.

Garantien von 2,25 Prozent (zwischen 2007 und 2011 verkauft) bleiben verschont. Vorerst. Denn das Zinsniveau wird sich in naher Zukunft nicht sprunghaft verbessern. Für 2017 wird es schon haarscharf, für 2018 scheint das Reißen der 2,25-Prozenter sicher.

Die Zinszusatzreserve von aktuell rund 30 Milliarden Euro wird also weiter anwachsen. Besonders schwer wiegen da natürlich Verträge mit Garantieversprechen von 3,5 und 4 Prozent. Setzt man eine Vertragslaufzeit von 30 Jahren voraus, werden diese Verträge erst in den kommenden zehn bis zwölf Jahren nach und nach aus den Beständen verschwinden. 

ZZR – sinnvolle Belastung
Nun werden stets die absoluten Höhen der Zinszusatzreserve kolportiert und man fragt sich, wie eine hohe/niedrige ZZR nun zu bewerten ist. Grundsätzlich ist die ZZR eine gute Verpflichtung aus Sicht der Versicherten, da ihre vertraglichen Garantien gestützt werden. Aus Sicht der Anbieter bindet diese Pflicht wertvolles Kapital. Welche Rückschlüsse auf die Finanzstärke der Anbieter sind nun zulässig? Logisch, dass eine Allianz – entsprechend ihrer Größe - die höchste ZZR bilden muss. Zahlreiche Verträge wurden in der Nachwendezeit bis zur Jahrtausendwende mit 3,5 oder 4 Prozent verkauft. Klar auch, dass jüngere Anbieter keine „Hochprozenter“ im Bestand haben, die sie sichern müssen.

Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie stark die Belastung ist kann die ZZR zum Beispiel ins Verhältnis zu den gesamten Deckungsrückstellungen gesetzt werden. Im Umkehrschluss also die Erkenntnis, wie viel der gesamten Rückstellungen nicht bereits mit „ZZR“ etikettiert sind. Hier lag der Marktschnitt Ende 2015 bei 4,1 Prozent. 32 Anbieter (Landeslebenshilfe kommuniziert keine ZZR) lagen über dem Mittel. Die Basler (6,7 %), AXA (6,4 %) und die LVM (6,3 %) wiesen dabei die höchsten Werte auf.

 

Erkenntnisreich auch die Relation der jährlichen Zuführung zur Zinszusatzreserve zu den gebuchten Bruttobeiträgen. Wie viel des Neugeschäfts wird direkt für die ZZR gebraucht? Der Marktschnitt lag hier bei 11,9 Prozent. Der Münchener Verein (27,9 %), erneut die Basler (26,4 %) und AXA (25,8 %) bilden die drei höchsten Werte.

 

Fazit: Die absolute Höhe der ZZR ist rein informativ zu betrachten und lässt Rückschlüsse über die Bestandsgröße einzelner Garantie-Generationen. Sie sagt aber nichts über die Finanzstärke der Anbieter. Relationen zu anderen Kennzahlen sollten nicht einzelnen betrachtet und bewertet werden. Mehrere Kennzahlen, über einen längeren Zeitraum im Vergleich zur Marktbewegung geben ein fundiertes Bild.

Im procontra LV-Check 2016 Profi finden Sie ein extra Kapitel zur ZZR mit allen Einzelwerten und sinnvollen Relationen (www.lv-check.net)

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