„Top“-Manager verdienen zu viel

Investmentfonds von Stefan Terliesner

Ein Vermögensverwalter fordert Investoren auf Hauptversammlungen zum Widerstand gegen stetig steigende Vergütungen auf. Vorstände und Aufsichtsräte würden bei ihrer Gehaltsermittlung tricksen.

Verdienen Top-Manager zuviel?

Unternehmen und Investoren sollen steigenden Managementeinkommen thematisieren. Fotolia / Krasimira Nevenova

Was oft vergessen verdrängt wird: Auch Vorstände großer Konzerne sind nur Angestellte - allerdings mit oft extrem hohem Gehalt. Das gefällt einigen Vermögensverwaltern nicht mehr, denn dann steht weniger Geld für die Ausschüttung an die Aktionäre, also ihren Kunden, zur Verfügung. Zum Beispiel macht der britische Vermögensverwalter Legal & Investment Management (LGIM) Vorschläge, wie sich die Regeln zur Bezahlung des Managements an die Interessen der Aktionäre und Anteilseigner besser anpassen lassen. „Wir gehen auf Unternehmen und Investoren zu und fordern sie auf, die steigenden Managementeinkommen zu thematisieren“, sagt Angeli Benham, Corporate-Governance-Managerin bei LGIM.

Gehälter ohne Bezug zum Erfolg

Der Vermögensverwallter moniert: „Die Schere zwischen den Managementgehältern und den durchschnittlichen Einkommen von Arbeitern und Angestellten ist in den vergangenen Jahren deutlich auseinandergegangen. Gleichzeitig gibt es keine eindeutigen Anzeichen dafür, dass sich die geschäftliche Entwicklung eines Unternehmens signifikant verbessert, wenn die Gehälter des Managements laufend nach oben geschraubt werden.“

Wie stark sich Managementgehälter und die Einkommen der Beschäftigen auseinanderentwickelt haben, zeigten Zahlen aus Großbritannien: Nach Berechnungen des High Pay Centre seien die Einkünfte der Konzern-Chefs im Aktienindex FTSE 100 zwischen den Jahren 2000 und 2013 um 146 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum verzeichneten die Löhne und Gehälter der vollzeitbeschäftigten Mitarbeiter dieser Konzerne einen Zuwachs von nur 43 Prozent, berichtet LGIM.

„Diese Ungleichheit und die öffentliche Diskussion, die die Managergehälter verstärkt auslösen, kann nicht länger ignoriert werden“, sagt Benham. In diesem Jahr seien die Regeln zur Vorstandsvergütung auf vielen Hauptversammlungen zur Sprache gekommen. Zudem würden Politiker eine Deckelung der Spitzengehälter von Managern fordern.

Deutsche Bank will Geld zurück

Tatsächlich soll in Deutschland die geplante Institutsvergütungsverordnung Abhilfe schaffen. Die Deutsche Bank wiederum lässt prüfen, wie sie von früheren Vorständen wegen Fehlverhaltens bereits ausgezahlte Boni zurückfordern kann. Der frühere Co-Vorstandschef des Instituts, Anshu Jain, war im Jahr 2013 mit rund 10 Millionen Euro der Spitzenverdiener unter Europas Banken.

Auf Erfolgs-Boni und steigende Gehälter verzichten sollen die Manager nach Auffassung von LGIM aber nicht; die Vergütung soll nur nicht stetig steigen. Letzteres führe „weder bei Aktionären noch in der breiten Gesellschaft zu Wohlfahrtsgewinnen.“ Zu den von LGIM vorgeschlagenen Maßnahmen, damit die Einkommensschwere sich nicht noch viel weiter öffnet, gehört, die Vergütungen nicht mehr allein an eine bestimmte Benchmark zu koppeln. Häufig nämlich beziehe sich diese Messlatte auf die Managementgehälter anderer Unternehmer mit ähnlicher Größe und aus gleichen Branchen.

„In vielen Fällen werden die Peergroups gezielt so zusammengestellt, dass sich ein höherer Durchschnittswert ergibt“, weiß Benham. Zudem sollten Unternehmen regelmäßig das Verhältnis zwischen der Vergütung des Vorstandsvorsitzenden und dem Durchschnittseinkommen ihrer Beschäftigten veröffentlichen. Außerdem sollten sie Schritte einleiten, die starke Fokussierung auf den jährlichen Bonus zu beenden und die Ungleichheit bei möglichen Pensionszusagen über die Zeit hinweg abzubauen.

Benham fordert die Investoren auf, auf den Hauptversammlungen, gegen die Verwaltung (Vorstand und Aufsichtsrat; Anmerk. des Autors) zu stimmen. „Es ist wichtig, dass wir als Investoren mit einer Stimme sprechen, um angepasste Gehaltsstrukturen auf den Weg zu bringen. Schließlich sind wir als unabhängiger Asset-Manager den Interessen unserer Vermögenskunden verpflichtet.“

Keine Boni ohne Mali

An dieser Stelle darf ein Umfrageergebnis der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) aus dem Jahr 2015 nicht fehlen: Zur Vergütung von Top-Manager befragt, sprachen sich ein Viertel der Investment Professionals für einen Abschlag vom Fixgehalt aus. Sollte der Vorstandsvorsitzende eines im DAX notierten Unternehmens seine Erfolgsziele verfehlen, wäre eine Art negativer Bonus angemessen. Richtig. Es muss gelten: Kein Bonus ohne Malus.