PSG II: Mehrheit weiß von nichts

Versicherungen von Martin Thaler

Zum 1. Januar tritt die zweite Stufe des Pflegestärkungsgesetzes II in Kraft - ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff sowie Pflegegrade statt -stufen sollen unter anderem die Pflege stärken. Doch viele Menschen in Deutschland wissen davon bislang noch gar nichts.

Empfiehlt Menschen dringend, sich mit dem Thema Pflege zu befassen. TK-Experte Georg von Elst.

Empfiehlt Menschen dringend, sich mit dem Thema Pflege zu befassen. TK-Experte Georg von Elst. Foto: Techniker Krankenkasse

Zum 1. Januar 2017 startet die zweite Stufe des Pflegestärkungsgesetzes II (PSG II). Diese beinhaltet unter anderem ein neues Bewertungssystem, das die Betroffenen zukünftig nach Pflegegraden (fünf an der Zahl) anstatt wie bisher Pflegestufen (drei) einordnet. Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff schließt zukünftig auch Demenzerkrankungen ein – Betroffene haben somit den gleichen Anspruch auf Leistungen wie Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen.  

Wichtige Neuerungen – sollte man zumindest meinen. Doch wie so häufig beim Thema Pflege reagieren die Deutschen mit Desinteresse bzw. blenden das Thema aus.  Einer Umfrage der Techniker Krankenkasse zufolge hat mehr als die Hälfte der Deutschen (51 Prozent) keinerlei Kenntnis von den Neuerungen. Dass es zu Änderungen kommen wird, wissen immerhin 38 Prozent. Nur 11 Prozent gaben an, sich bereits aktiv mit dem Thema auseinander gesetzt zu haben.  

Es ist ein Ergebnis, das allgemein in den Trend passt. Denn mit dem Thema Pflegebedürftigkeit setzen sich die Deutschen offenbar nicht gerne auseinander – steigender Zahlen zum Trotz. So gaben laut Umfrage 46 Prozent, sich noch nicht mit dem Thema Pflegeversicherung beschäftigt zu haben. Insbesondere bei jungen Menschen steht das Thema weit unten auf der Agenda:  Bei den 18- bis 39-Jährigen haben 61 Prozent das Thema bislang ausgeblendet. Im Vergleich: Bei den Über-60-Jährigen waren dies nur 27 Prozent.  

Neben dem Alter spielt auch der Beziehungsstatus eine Rolle: Während sich unter Singles 53 Prozent mit dem Thema auseinandergesetzt hatten, waren es bei Menschen, die in einer Beziehung leben, gut zwei Drittel.  

Wissenslücken und Verlass auf soziales Umfeld

Wie so häufig erkennt die Studie Wissenslücken bei den Menschen. Diese wüssten in der überwiegenden Mehrheit zwar, dass die gesetzliche Pflegeversicherung nur einen Teil der Kosten bei Pflegebedürftigkeit übernehme. Über die tatsächlichen Kosten beispielsweise eines Heimplatzes herrschen zumeist falsche Vorstellungen – nur jeder Dritte konnte die Kosten hier korrekt benennen.  

Im Bundesdurchschnitt kostet ein solcher Platz rund 3.600 Euro. In der aktuell höchsten Pflegestufe III übernimmt die Pflegekasse davon 1.612 Euro, in besonderen Härtefällen bis 1.995 Euro.  Allerdings gibt es große regionale Unterschiede - wo die Kosten für professionelle Pflege in Deutschland die Kaufkraft der Menschen in Deutschland überschreitet, untersuchte jüngst die Bertelsmann Stiftung.

Als Hauptgrund für die mangelnde Vorsorge nannten die Betroffenen den Faktor Kosten (73 Prozent der Frauen, 61 Prozent der Männer). 58 Prozent hoffen deswegen wohl auch, dass im Notfall Verwandte oder Bekannte einspringen, 31 Prozent verlassen sich im Notfall auf den Vater Staat.  

Georg van Elst, Pflegeexperte der TK, bewertete das Ergebnis folgendermaßen: „Es ist menschlich verständlich, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema schwerfällt. Angesichts der steigenden Zahl Pflegebedürftiger in den kommenden Jahren, empfiehlt es sich aber, die aktuellen Veränderungen zum Anlass zu nehmen, um sich mit dem Thema zu befassen."

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