„Echte Honorarberatung kommt mit diesem Entwurf einen Schritt weiter“

Berater Top News von Dieter Rauch

An dieser Stelle sollte der Referentenentwurf tiefer gehen und schonungslos die Verpflichtung zur absoluten Kostentransparenz beinhalten. Unaufgefordert, unverschleiert und am besten noch im Antrag neben der Unterschrift. Wer kein Problem mit seiner Beratungsleistung hat, der hat auch kein Problem, seine Bezahlung zu rechtfertigen. Profis brauchen sich bei ihrer Vergütung nicht hinter dem Kleingedruckten zu verstecken.

So hat der VDH schon immer auf die Erhaltung des Provisionsabgabeverbots gedrängt. Dies soll gesetzlich verankert werden und ausschließlich für Makler, Vermittler sowie für Versicherungsunternehmen gelten. Nicht aber für Honorar-Versicherungsberater. Damit entsteht auch echter Wettbewerb und der Druck auf Versicherungsunternehmen echte Honorartarife aufzulegen, um im Wachstumsmarkt Honorarberatung konkurrenzfähig zu sein.

Klarer Vorteil für Honorar-Versicherungsberater

Zumindest halbwegs gelungen ist im Zusammenhang mit dem Provisionsabgabeverbot die Regelung, dass Versicherungsunternehmen ohne Nettotarife im Angebot bei Honorar- Versicherungsberatern, die keine Provisionen annehmen dürfen, eben diese Provision für den Vertragsabschluss zu mindestens 80 Prozent einem Prämienkonto des Kunden gutschreiben müssen. Warum nur 80% Prozent ist nicht ganz nachvollziehbar. Trotzdem wird deutlich gezeigt, wie lange ein Kunde nach Vertragsabschluss über den herkömmlichen Provisionsvertrieb die Abschlusskosten abstottert, bevor der Vermögensaufbau beginnt. Ein Honorar-Versicherungsberater hat auf Grundlage dieser Regelung durchaus einen Geschäftsvorteil. Der Kunde kann sich nämlich sein Honorar leisten, weil die Mehrbelastung aus Versicherungsprämie und Honorar entfällt.

Klar, Politik ist die Kunst des Machbaren. Aus meiner und deshalb Sicht des VDH wäre die Verpflichtung, künftig nur noch Nettotarife anzubieten, besser und für Verbraucher optimal gewesen. Aber das ist bis dato (noch) nicht durchsetzbar. Besagte 80 Prozent der Abschlusskosten eingezahlt auf ein Prämienkonto sind somit besser als nichts. Für Versicherer ist es u.U. betriebswirtschaftlich sinnvoller Honorartarife aufzulegen, als den Aufwand für die Gutschriften und Belastungen von Provisionen auf den Prämienkonten des Versicherungsnehmers in Kauf zu nehmen.

Kein Wort von Bestandsprovisionen

Kein Wort im Referentenentwurf habe ich übrigens zum Thema Bestandsprovisionen gelesen. Bekanntlich können diese sich bei langen Vertragslaufzeiten auf mehrere Tausend Euro summieren. Naturgemäß Geld, das allein dem Verbraucher und somit dem Versicherungskunden zusteht und ihm am Ende fehlt. Nachgearbeitet werden muss auch beim aus meiner Sicht brisanten Thema „Honorarvermittlung“. Diese ist nichts anderes als Etikettenschwindel und weitgehend identisch mit dem Provisionsvertrieb. Und letztlich ist diese „Honorarvermittlung“ auch eine respektlose Verbraucherverdummung.

Aber wie gesagt, das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Jetzt gilt es die Interessen der Honorarberater intensiv zu vertreten. Geduld und auch eine gewisse Bescheidenheit nützen, insbesondere im politischen Raum, viel mehr als Kritik mit Schaum vor dem Mund, noch dazu wenn die immer gleichen Märchen wiederholt werden.

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