„Echte Honorarberatung kommt mit diesem Entwurf einen Schritt weiter“

Berater Top News von Dieter Rauch

„Wir haben in den vergangenen 16 Jahren extrem dicke Bretter gebohrt. Diese werden zum Glück immer dünner, wie der jetzt vorliegende Referentenentwurf zeigt“, sagt Dieter Rauch, Geschäftsführer vom Bund Deutscher Honorarberater. Im Gastbeitrag schildert er seine Sicht auf die Umsetzungspläne.

Dieter Rauch

Der Entwurf zur IDD-Umsetzung ist Wasser auf die Mühlen von Dieter Rauch, Geschäftsführer des Verbunds Deutscher Honorarberater (VDH). Bild: VDH

Jetzt jammern sie wieder, schreien auf, schäumen vor Wut und kritisieren, was das Zeug hält. Kaum war der Referentenentwurf zur Umsetzung der Insurance Distribution Direction (IDD) in der Welt, ging das Getöse los. Zutiefst empört zeigte sich der Verband Deutscher Versicherungsmakler (VDVM). Und auch die Branchenvertretung GDV, der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft also, war not amused. Selbst wenn dessen Kritik eher staatsmännisch und nicht so tobend ausfiel.

Auch wenn`s schwierig ist: Versetze ich mich nur zehn Sekunden in die momentane Gemütslage jener ehrenwerten Kritikaster-Gesellschaft, kann ich deren Empörung gut verstehen. Mantramäßig erzählte man der Politik seit einer kleinen Ewigkeit, Honorarberatung funktioniere nicht, es gebe keine Akzeptanz bei Verbrauchern und nur das Provisionsmodell sei das allein selig Machende. Und nur dieses Modell sei in der Lage, Verbraucher ausreichend mit Finanzberatung zu versorgen. Es wird nur wenige überraschen, dass wir als Honorarberater dem Referentenentwurf zumindest verhalten positiv gegenüberstehen.

16 Jahre Arbeit zahlen sich aus

Wie beurteile ich den Entwurf kurz und bündig: gelungen, wenn auch sicher nicht der Weisheit letzter Schluss, also noch verbesserungsbedürftig. Lassen Sie es mich so sagen: Die echte Honorarberatung in Deutschland kommt mit diesem Entwurf durchaus einen Schritt weiter. Zwar sind die rechtlichen Vorgaben für meine Branche noch nicht ideal. Die Richtung stimmt jedoch. Wir haben in den vergangenen 16 Jahren extrem dicke Bretter gebohrt. Diese werden zum Glück immer dünner, wie der jetzt vorliegende Referentenentwurf zeigt.

Glückwunsch an die Autoren für den Mut, den sie sicher vorausahnend beweisen mussten, um die zu erwartenden Reaktionen, Kritik und auch Wut, der Versicherungslobbyisten zu ertragen. Klar ist: Das Provisionssystem versagt für Verbraucher und betriebswirtschaftlich denkende Berater deutlich sichtbar seit vielen Jahren. Nun sollen die Überreste dieses überholten Systems gerettet werden.

Klare Trennung zwischen Honorarberatern und Vermittlern auf Provisionsbasis

Schauen wir uns kurz den Referentenentwurf an. Alles in allem ist er zwar kein Elfmeter für die Honorarberatung in Deutschland. Doch ein direkter Freistoß von der Strafraumgrenze durchaus. Der VDH fordert seit Jahren, intransparente Mischmodelle zu unterbinden. Falls nicht erneut alles zerredet und weich gespült wird, zieht die Umsetzung des Gesetzes erstmals eine klare Linie zwischen Vermittlern auf Provisionsbasis und reinrassigen Honorarberatern. Eine Lösung des vorhandenen Problems der Honorarvermittlung fehlt allerdings weiterhin.

Offenbar hat man aus den Fehlern bei der Umsetzung des Honorar-Anlageberatergesetzes (34h GewO) gelernt und die augenfälligen Missstände erkannt. Das seit langem vom VDH vorgeschlagene Honorar-Annahmeverbot für Vermittler, welche nach dem Willen des Gesetzgebers nur noch von Versicherunsgesellschaften bezahlt werden dürfen, ist das Aus für Mischmodelle und ein weiterer Sargnagel für das Provisionsmodell. Doch, es fehlt weiterhin an der Transparenz gegenüber dem Kunden. Beim Honorarberater werden die Kosten für die Beratungsleistung ohne jegliche Verschleierungen schon im Vorfeld deutlich und vereinbart. Aber wo sieht der Verbraucher das bei einem Vermittler auf den ersten Blick? Die Beratung ist bei Vermittlern ja angeblich kostenlos, sie kostet „nur“ den Abschluss. Zum Totlachen.

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