Die Krankmacher-Berufe

Berater von Michael Fiedler

Die berufliche Tätigkeit eines Beschäftigten ist neben dem Alter wichtigste Einflussgröße auf das Krankheitsgeschehen, so der aktuelle BKK-Gesundheitsreport 2016. Welche Berufsgruppen besonders häufig krank sind.

Reinigungsberufe sind Spitzenreiter bei den Fehltagen

Reinigungsberufe sind Spitzenreiter bei den Fehltagen. Fotolia / Kurhan

Betriebskrankenkassen erheben seit vierzig Jahren ununterbrochen die Arbeitsunfähigkeitsdaten ihrer Versicherten. Der im 40. Jubiläumsjahr vorgelegte Gesundheitsreport ist betitelt mit „Gesundheit und Arbeit“ und zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Berufsgruppen, wenn es um Krankheitsfehltage und deren Ursachen geht. Dafür wurden die Daten von 9,3 Millionen Versicherten, darunter 4,4 Millionen Arbeitnehmer, die bei einer BKK versichert sind, analysiert. Der Report ist damit repräsentativ für das Erkrankungsgeschehen in der Arbeitswelt.

Grippewelle ohne Auswirkung

Bezogen auf die gesamten Fehltage hatte die starke Grippewelle des letzten Jahres erstaunlicherweise keine Auswirkung: Berufstätige fielen krankheitsbedingt im Schnitt rund 16 Tage aus. Das entspricht einem Krankenstand von 4,4 Prozent im Jahr 2015 (2014: 16 Fehltage; Krankenstand: 4,4 Prozent).

Reinigungskräfte doppelt so lange krank wie Beschäftigte im IT-Bereich

Mit mehr als drei Wochen sind Reinigungsberufe die Spitzenreiter (23 durchschnittliche Fehltage), gefolgt von Verkehrs- und Logistikberufen (22 Tage) und Sicherheitsberufen (20,5 Tage). Am unteren Ende der Fehlzeitenskala finden sich unternehmensbezogene Dienstleistungsberufe - so in den Bereichen Recht und Verwaltung sowie Medienberufe mit jeweils rund 13 Krankentagen. Beschäftigte im IT-Bereich waren im Schnitt nur 12 Tage krankgemeldet.

Körperliche Belastungen schaden dem Rücken, emotionale der Psyche

Berufe, die vor allem mit körperlich belastenden Tätigkeiten verbunden sind (z.B. Fertigungsberufe), sind erwartungsgemäß vor allem durch Fehlzeiten aufgrund von Muskel- und Skeletterkrankungen geprägt.
Dagegen zeigen sich bei Berufen mit hoher emotionaler Belastung (z.B. Gesundheitsberufe) besonders viele Fehltage aufgrund von psychischen Störungen. Auch bei den Arbeitsunfällen gibt es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem ausgeübten Beruf und den damit verbundenen Arbeitsbedingungen. Werden bei im Hoch- und Tiefbau Tätigen im Schnitt 1,5 Tage je Beschäftigtem durch einen Arbeitsunfall verursacht, sind es bei den im Bereich Finanzdienstleistungen, Rechnungswesen und Steuerberatung Tätigen gerade einmal 0,1 Tage.

Gesundheitsrisiko Leiharbeit?

Rund 1,7 Tage fehlten die Leih- bzw. Zeitarbeiter im Jahr 2015 länger als Beschäftigte mit einem regulären Arbeitsvertrag. Dabei gab es große Unterschiede, je nach Berufsgruppe: Leih- bzw. Zeitarbeiter, die in Fertigungs- oder in Verkehrs- und Logistikberufen tätig sind, haben deutlich weniger Fehltage als dortige Festangestellte. Umgekehrt ist dieses Bild bei den Gesundheitsberufen, den Reinigungsberufen und den Bauberufen.

Im aktuellen Report (PDF, 517 Seiten) sind nicht nur Fehlzeiten, sondern auch Kennzahlen zur ambulanten und stationären Versorgung sowie zu den Arzneimittelverordnungen zu finden.

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