„BU-Leistungsfall gleicht oft einem Würfelspiel“

Berater Top News von Michael Fiedler

In der Berufsunfähigkeitsversicherung gibt es zu wenig Transparenz. Ändert sich daran nichts, könnte die Politik stärker regulierend in diesen Bereich eingreifen, fürchtet Claus-Dieter Gorr von Premium Circle. Um mehr Transparenz im Markt herzustellen, verschickt Premium Circle nun einen umfangreichen Fragebogen an Versicherer und den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Claus-Dieter Gorr, Chef von Premium Circle

Claus-Dieter Gorr, Chef von Premium Circle Bild: procontra

„Ob man im BU-Fall Leistungen erhält, gleicht oft einem Würfelspiel“, sagt Claus-Dieter Gorr gegenüber procontra. Grund dafür seien zu einem Großteil die zahlreichen unbestimmten Begriffe - 342 unbestimmte Begriffe und unverbindliche Formulierungen hat Premium Circle bereits ausfindig gemacht. Diese Unverbindlichkeit könne von den Anbietern genutzt werden, um Leistungen hinauszuzögern oder ganz zu verweigern.

Vor diesem Hintergrund fällt es Gorr schwer, die Sicht von anderen Branchenteilnehmern auf den BU-Bereich zu teilen. Insbesondere die Rolle von Rating-Agenturen sieht er kritisch. Manche Tarifänderung oder neue Leistung scheint nur ins Bedingungswerk gekommen zu sein, um ein gutes Rating-Ergebnis zu bekommen. Der Nutzen für den Versicherten sei zweitrangig, so Gorr, der u.a. Nachversicherungsklauseln als Beispiel aufführt. Dass die wichtige Absicherung der Arbeitskraft so schlechte Verbreitungszahlen in Deutschland hat, führt Gorr auch auf folgende drei Punkte zurück:

  1. Gesundheitsprüfung: für medizinische Laien pauschale und unverständliche Antragsfragen, eine intransparente Risikoprüfung sowie falsche Gesundheitsangaben, die insbesondere aufgrund von Fehlcodierungen und Abrechnungsoptimierungen gesetzlicher Krankenkassen im Zusammenspiel mit niedergelassenen Ärzten zu Lasten der Versicherten gehen.
  2. Versicherungsumfang: schwer verifizierbare Kernproduktmerkmale durch eine unüberschaubare Fülle von unbestimmten Begriffen und unverbindlichen Formulierungen in den Versicherungsbedingungen.
  3. Leistungsfall: nicht spezifizierte Mitwirkungs- und teilweise unerfüllbare Nachweispflichten für Versicherte.

„Makler sollten sich bewusst sein, dass im Ernstfall kein Rating-Unternehmen haftbar zu machen ist“, warnt Gorr. Die „Siegelflut“ der Rating-Unternehmen trage dazu bei, dass sich am Markt nichts ändert. Bei den Versicherern beobachtet Gorr eine „Solange-es-verkauft-wird-ändern-wir-nichts-Haltung“. 

Und das könnte fatale Folgen für die Branche haben, befürchtet Gorr. So werde bereits in politischen Kreisen diskutiert, ob nicht der Staat – in der ein oder anderen Form – die „Verbindlichkeits-Lücke“ im BU-Bereich schließt.

Transparenzoffensive gestartet

Um mehr Transparenz in den Markt zu bringen, verschickte Premium Circle heute einen weitreichenden Fragebogen an Versicherer und GDV (Entwurf lag procontra vor). Der Erhebungsbogen umfasst 75 Fragen, die bis zum Ende des Monats beantwortet werden sollen. Gefragt wird u.a. nach Anzahl, durchschnittlicher Höhe und Leistungsdauer der anerkannten monatlichen Berufsunfähigkeitsrenten. Auch nach der Anzahl der außergerichtlichen Vergleiche und der einzelnen gerichtlichen Instanzen wird gefragt.
Die Ergebnisse will Premium Circle veröffentlichen.

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