Bedarf an Haftpflichtpolicen für Manager steigt

Berater von Stefan Terliesner

Unternehmen vs. eigenes Management

In Deutschland würden häufig Korruption und Betrug sowie Wettbewerbs- und Kartellrechtsverstöße D&O-Fälle auslösen. Das betroffene Unternehmen, das sich mit hohen Strafzahlungen konfrontiert sieht, versucht das eigene Top-Management in Haftung zu nehmen. „Rund 80 Prozent der D&O-Fälle in Deutschland beruhen auf einem solchen Innenregress“, schreibt die Allianz.

Deutschland zähle, neben den USA und Australien, zu den Ländern mit den meisten D&O-Schadenfällen. Diese seien stark gestiegen. Laut Pressetext verdreifachte sich die Zahl der deutschen D&O-Schadenfälle von Großunternehmen, an denen die Allianz-Industrieversicherungssparte beteiligt ist, in den vergangenen zwanzig Jahren von 40 auf rund 120 jährlich. Wesentliche juristische Ursachen für D&O-Fälle in der Zeit von 2011 bis Mitte 2016 seien: Compliance-Verstöße, Sorgfaltspflichtverletzungen bei unternehmerischen Entscheidungen, Fehler in der Unternehmensführung, etwa bei der Überwachung und Kontrolle eines Unternehmens, Verstöße gegen Treuepflichten gegenüber dem Unternehmen sowie unzulängliche oder fehlerhafte öffentliche Informationen.

Prozessfinanzierer auf dem Vormarsch

Auch wenn die große Mehrheit der D&O-Fälle über einen außergerichtlichen Vergleich beigelegt werde, nehme die Anzahl der Gerichtsverfahren zu. Dies sei auch dem Einfluss von Prozessfinanzieren geschuldet, die Sammelklagen finanzieren oder die Prozesskosten eines klagenden Unternehmens übernehmen. Im Erfolgsfall erhalten sie einen Anteil an der Entschädigungsleistung. Daneben drohten Top-Managern auch eine Reihe neuer Haftungsrisiken. So könnten sie künftig stärker für die Folgen von Cyberattacken oder Datenschutzverletzungen in Haftung genommen werden. Weitere neue Haftungsrisiken für Manager könnten sich aus Vorwürfen oder öffentlichen Protesten gegen ein Unternehmen wegen Umweltverschmutzung, Klimaschädigung oder Zwangsarbeit in weltweiten Zuliefernetzwerken ergeben.

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