Bedarf an Haftpflichtpolicen für Manager steigt

Berater von Stefan Terliesner

Eine Allianz-Studie stellt höheres Risiko durch neue Haftungsszenarien und steigende Klagebereitschaft fest. In Deutschland dominieren Innenregresse, in den USA Sammelklagen von Betroffenen.

Managerhaftung

Es sei oft „ein schmaler Grat zwischen unternehmerischen Geschäftsentscheidungen und rechtswidrigem Fehlverhalten“, so eine Allianz-Studie zur Managerhaftung. Bild: pixaybay / jerrykimbrell10

Makler mit Fokus auf Managerhaftpflichtversicherungen - oft nur D&0-Policen genannt, wobei die Abkürzung für die englische Bezeichnung Directors and Officers steht, haben aktuell vermutlich ganz gut zu tun. Laut einer Studie der Allianz steigt das Risiko für Führungskräfte, für unternehmerische Entscheidungen persönlich haftbar gemacht zu werden. Deshalb schlössen heute mehr Unternehmen für angestellte Manager ein D&O-Police ab. Absicherungsbedarf gibt es laut Studie für neue Risiken wie Cyber- und Datenschutzvorfälle, wegen des wachsenden Einflusses von Prozessfinanzierern und wörtlich wegen des „zunehmender Aktivismus von Aktionären oder Aufsichtsbehörden“.

Heikle Entscheidungen

In der Mitteilung zu der Studie „D&O Insurance Insights: Management Liability Today“ heißt es, dass in Deutschland ein Mitglied des Aufsichtsrates in vielerlei Hinsicht belangt werden könnte. Es sei oft „ein schmaler Grat zwischen unternehmerischen Geschäftsentscheidungen und rechtswidrigem Fehlverhalten“. Vorständen und Top-Manager wiederum drohten im Falle von Pflichtverletzungen wie Compliance-Verstößen „kostspielige Untersuchungen, Zivilverfahren oder gar strafrechtliche Ermittlungen, die die Finanzen des jeweiligen Unternehmens wie auch das persönliche Vermögen der Betroffenen bedrohen.“

Der rechtliche Rahmen für Managerhaftpflicht unterscheide sich von Land zu Land. Die Allianz spricht von einem zunehmendem „Aktivismus von Aktionären oder Aufsichtsbehörden“, der sich zu einem „weltweiten Phänomen“ entwickelt habe. Während im angelsächsischen Raum Aktionärs- und Sammelklagen gegen Unternehmen und ihr Management häufig zu D&O-Fällen führen, sind diese in Europa weiterhin nur eingeschränkt möglich, heißt es in dem Pressetext. Und weiter: „Das Musterklageverfahren im Fall des Emissionsskandals eines Automobilherstellers, bei dem hunderte Investoren ihre Klagen bei einem deutschen Landesgericht eingereicht haben, gilt daher als Präzedenzfall.“ (Die Allianz meint hier wohl die Abgaswertemanipulationen an Dieselmotoren von VW-Fahrzeugen; Anmerk. des Autors).

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