Wer arm ist, bleibt es auch im Alter

Versicherungen von Martin Thaler

Wer in Deutschland arm ist, hat nur geringe Aufstiegschancen. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie der Hans-Böckler-Stiftung. Auch das Thema Altersvorsorge scheint in Deutschland eine soziale Frage zu sein, wie eine weitere Studie zeigt.

Altersvorsorge in Deutschland ist oftmals auch eine soziale Frage.

Altersvorsorge in Deutschland ist oftmals auch eine soziale Frage. Foto: ronymichaud - pixabay.de

Wer in Deutschland aus der Armut herauskommen möchte, hat es schwer. Denn wer arm ist, bleibt es zumeist auch. Denn bei der Einkommensverteilung wird Deutschland zunehmend undurchlässiger, wie der neue Verteilungsbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zeigt. Als arm werteten die WSI-Forscher Menschen, die weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens eines Ein-Personen-Haushaltes im Jahr hatten. Bei einem Medianeinkommen von 19.597 Euro im Jahr (Stand 2013) waren dies Menschen, denen weniger als 11.758 Euro zur Verfügung standen.  

„Arm bleibt arm und reich bleibt reich – das gilt aktuell noch deutlich stärker als vor 20 Jahren. Gleichzeitig sind die Abstände zwischen hohen und niedrigen Einkommen spürbar gewachsen“ erklärt Prof. Dr. Anke Hassel, die wissenschaftliche Direktorin des WSI. So würde es die Hälfte der als arm geltenden Menschen nicht, sich innerhalb von fünf Jahren aus der Armut zu befreien – dies seien deutlich mehr als noch in den 1990er-Jahren, so die Studie. Zudem sei für Angehörige der unteren Mittelschicht das Risiko des finanziellen Abstiegs gestiegen, Wohlhabende hätte indes tendenziell größere Aufstiegschancen.  

Dass sich bei den als arm geltenden Menschen die Armut später auch im Alter fortsetzt, zeigt eine neue Umfrage von TNS-Emnid im Auftrag der Postbank. Laut dieser verzichtet knapp die Hälfte auf eine private Altersvorsorge. Gefragt nach den Gründen, gaben 36 Prozent dieser Gruppe an, über nicht genügend finanzielle Mittel hierfür zu verfügen. Weitere Gründe waren die Ansicht, dass die gesetzliche Rente reichen werden (34 Prozent), man sich bislang keine Gedanken über das Thema gemacht habe (32 Prozent) und die Meinung, dass sich private Altersvorsorge aufgrund des derzeit niedrigen Zinsniveaus nicht rechnen würde (27 Prozent).    

„Je niedriger das eigene Einkommen, desto geringer die Motivation, aber auch die finanziellen Möglichkeiten, für das Alter Rücklagen zu bilden. Dies ist ein Teufelskreis", erklärt Karsten Rusch von der Postbank. Gerade untere Einkommensklassen seien ohne private Vorsorge in hohem Maße von der Altersarmut betroffen.  

Neben dem Einkommen gibt es jedoch weitere Faktoren, die die Bereitschaft zur privaten Vorsorge maßgeblich beeinflussen. Beispielsweise der Faktor Bildung: So ergab die Umfrage, dass unter den Befragten mit Volks- oder Hauptschulabschluss lediglich 41 Prozent vorsorgen. Bei Menschen mit mittlerem Bildungsabschluss, Abitur bzw. Universitätsabschluss lag diese Zahl mit 61 Prozent wesentlich höher. 

Mit welchen Argumenten Sie auf die Aussage Ihrer Kunden, nicht genügend finanzielle Mittel für die Altersvorsorge zu haben, reagieren können, lesen Sie hier. 

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