Kann bAV-Reform zunehmende Altersarmut verhindern?

Versicherungen Top News von Dr. Johannes Fialla/ Peter A. Schramm

Zahlreiche große Anbieter für Altersversorgungen setzen auf den Kapitalmarkt – auch in der bAV. Der risikolose Zins, etwa deutscher Staatsanleihen, ist bereits negativ geworden. Wird diese Ersparnisbildung auch noch mit Abschlußkosten einschließlich Provisionen sowie laufende Verwaltungskosten belastet, vermindert sich das angesparte Vermögen entsprechend – Jahr für Jahr.

Soll dies keine Milchmädchenrechnung sein, wird man die reale Kaufkraftentwicklung, also reale Inflation oder individuelle Deflation berücksichtigen müssen, entsprechend dem persönlichen Warenkorb – nicht etwa der Phantasie des statistischen Bundesamtes. Ohne versicherungsmathematischen Sachverstand wird die freiwillige Optimierung kaum gelingen. Hätten Lebensversicherer genug Eigenkapital, so wären sie auch in der Lage, sowohl Garantien zu bieten, wie auch am Kapitalmarkt höhere Renditen durch Investition in volatilere Anlagen wie Aktien zu erzielen. So aber sind sie gezwungen, großteils in niedrigverzinslichen sicheren Zinspapieren anzulegen.

Der Mangel an Eigenkapital hat System – dadurch können nach Steuern Gewinne von bis zu mehr als 30 % auf das Eigenkapital erzielt werden. Würde das Eigenkapital auf das Doppelte erhöht, um verstärkt in Aktien investieren zu können, würde dies hauptsächlich bei den Versicherten sich positiv auswirken – die Aktionäre hingegen müssten sich bezogen auf das erhöhte Eigenkapital die Gewinne teilen, sich also mit etwa dem halben Gewinn je Aktie  abfinden.

Kein Anreiz, Eigenkapital zu erhöhen

Es besteht also gar kein Anreiz, das Eigenkapital zu erhöhen. Alternative: Rente direkt beim Investor oder der Kommune Immobilien- und Infrastrukturinvestoren sowie einige Kommunen im Rahmen von Private Partnership Projekten setzen bereits auf die Finanzierung durch den direkten Verkauf von Leibrenten.

Obwohl diese Leibrenten mit denen der besten Lebensversicherungen mithalten können und sogar höhere Garantien bieten als mit unverbindlichen Überschüssen diese in Aussicht stellen, ist dies für Kommunen und Investoren eine besonders günstige und langfristig sichere  Finanzierungsform. Die Kosten unrentabler Mittelsleute wie Versicherungen und Banken als Kapitalsammelstellen sind auf dies Weise ausgeschaltet, wovon sowohl der Rentner wie der Investor profitieren.

Um Renten zu verkaufen, braucht ein Investor oder eine Kommune kein zusätzliches  Eigenkapital, schon gar nicht gemäß den Ansprüchen von Solvency II. Zudem muss er Männerrenten nicht wie Versicherer gleich niedrig mit den Frauenrenten kalkulieren, denn das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz gilt hier nur für Versicherer. Einige wenige Berater haben sich auf diese Möglichkeiten spezialisiert.

*von Dr. Johannes Fiala, RA (München), RB, VB, MBA Finanzdienstleistungen (Univ.), MM (Univ.), Geprüfter Finanz- und Anlageberater (A.F.A.), Bankkaufmann (www.fiala.de) und Dipl.-Math. Peter A. Schramm, Sachverständiger für Versicherungsmathematik (Diethardt), Aktuar DAV, öffentlich bestellt und vereidigt von der IHK Frankfurt am Main für Versicherungsmathematik in der privaten Krankenversicherung (www.pkv-gutachter.de

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