Flotte(n)tarife für Gewerbekunden

Versicherungen Top News von Carla Fritz

Einer für alle, alle für einen

Markenzeichen der Flottenverträge ist der einheitliche Beitragssatz oder auch Beitrag für alle Fahrzeuge – anstelle eines individuellen Schadenfreiheitsrabatts. „Die Flotte wird als Ganzes betrachtet“, erklärt Ratzke. Anders als bei Einzelverträgen, wo Rabatte erst erfahren werden müssen, steigen auch Neufahrzeuge auf diesem Niveau ein. Für Neugründer, die ihren Fuhrpark erst aufbauen und in puncto Schadenhistorie noch ein unbeschriebenes Blatt sind, kann das eine Option sein. Ebenso für Betriebe, die ihre Flotte erweitern oder umstrukturieren und damit eben auch für neu hinzukommende Fahrzeuge überschaubare und relativ gleichbleibende Konditionen haben. Bei einem Wechsel kann man die Sondereinstufung aber nicht mitnehmen, nur die erfahrenen schadenfreien Jahre. Darüber muss der Kunde Bescheid wissen.

Und er muss sich im Ergebnis der Beratung im Klaren sein: Ein Großschaden schon durch ein einziges Fahrzeug kann die gesamte Flotte in Form einer Herabstufung treffen. „Das muss aber nicht in jedem Fall so sein“, sagt Ratzke. Weil erstens noch genügend Puffer in der Schadensquote ist. Oder zweitens einige Anbieter tatsächlich nur dieses eine Fahrzeug zurückstufen. Und drittens weil die Gesellschaften die Reißleine zunehmend eher bei vielen kleinen Schäden ziehen, wie er registriert. Etwa bei „Parkremplern“, typisch für kleine Pflegedienste unter Zeitdruck. Umso wichtiger, dass der Makler sich vorab auch durch Nachfrage vergewissert: Was passiert im Schadensfall?

Ein guter Schadensverlauf ist zugleich die Eintrittskarte für einen Flottenvertrag. Mit einer Schadensquote kleiner 50 lassen sich nach Ratzkes Erfahrung gute Beitragssätze verhandeln. Der „gut organisierte Kunde, der auch einmal einen Schaden produziert“, sei immer noch „ein gern genommenes Risiko“, befindet der Makler aus Dresden. Doch auch bei guten Schadensquoten, auf die es letztlich ankommt, unterbieten sich die Gesellschaften nach seinen Worten nur noch bedingt. In den letzten beiden Jahren hat er im Einzelfall Prämiensteigerungen zwischen 6 und 50 Prozent erlebt. „Die Kunden mussten akzeptieren, weil kein Versicherer bereit war, billiger anzubieten.“ – Den Grund macht Uwe Hüholt, Leiter Flottenversicherungen bei Axa, deutlich: „Aufgrund der aktuellen Zinssituation kann es sich kein Versicherer leisten, in der Versicherungstechnik entstehende Verluste durch Kapitalerträge auszugleichen. Von daher müssen die Versicherer besonderen Wert auf das versicherungstechnische Underwriting legen.“

Einzelverträge als Alternative? Damit sich das lohnt, muss schon vieles zusammenkommen, wie eine günstige Regionaleinstufung plus hohe Schadenfreiheitsklassen, die sich bei einem reinen Fahrzeugaustausch immer wieder verwenden lassen. Langjährig unfallfreie kleine Flotten könnten dann mit Einzelverträgen teils besser laufen, so die Erfahrung von Makler Bert Heidekamp aus Berlin. Auc h deshalb gehört der Risikoschutz für den Firmenfuhrpark jährlich auf den Prüfstand. Zumal auch die Annahme- und Preispolitik des einzelnen Anbieters sich schnell wandeln kann. „Hier erleben wir bei Ausschreibungen die gesamte Bandbreite von Ablehnung in dem einen Jahr bis zum ‚Kampfangebot‘ im Jahr darauf für dieselbe Flotte“, erklärt Ratzke.

Seite 1: Von GAP-Deckung bis BBB-Schäden
Seite 2: Einer für alle, alle für einen

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare