Familie zahlt 1.000 Euro mehr Beitrag

Berater von Stefan Terliesner

Rentendebatte: Die Gewerkschaften plädieren für eine Anhebung des Rentenniveaus. Arbeitgebernahe Einrichtungen halten das für falsch und legen eine Folgeabschätzung vor.

Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der INSM

Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der INSM, ist gegen die Anhebung des Rentenniveaus. Bild: INSM

Die Rentendebatte nimmt Fahrt auf. Ein Jahr vor der Bundestagswahl startet der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) eine Kampagne für höhere Renten. Auch Sozialverbände fordern das Rentenniveau nicht länger dem demografischen Wandel anzupassen, sondern es entweder auf dem heutigen Stand zu halten oder es anzuheben. Die daraus folgenden zusätzlichen Ausgaben müssten finanziert werden. Neben einer Verlängerung der Lebensarbeitszeit - Stichwort Rente mit 69 - sind höhere Rentenbeiträge eine Option. Wie stark die Beiträge steigen würden, hat jetzt die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) berechnen lassen. Beide Einrichtungen setzen sich für eine freiheitliche Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung ein. Finanziell getragen werden sie von Arbeitgeber- und Industrieverbänden.

Anhebung auf 50 Prozent

Laut INSM hat das IW die Nettoeinkommenseffekte für repräsentative Haushaltstypen berechnet (siehe Tabelle unten). Im ersten Szenario wird das Rentenniveau auf dem heutigen Stand von 47,5 Prozent belassen. Der Beitragssatz würde dann bis 2030 auf 21,5 Prozent ansteigen und das Rentenniveau auf 44,6 Prozent sinken. Im zweiten Szenario wird das Rentenniveau auf 50 Prozent angehoben. Für die Beitragszahler würde das zu Beitragssatzanhebungen bis 2030 auf 23,5 bzw. 25 Prozent führen. Dann müsste eine vierköpfige Familie zusätzlich etwa 980 Euro im Jahr 2030 zahlen. Ein kinderloser Single müsste jährlich rund 480 Euro mehr in die Rentenkasse zahlen, als es bei der derzeitigen Gesetzeslage nötig wäre, schreibt die INSM.

Das Rentenniveau ist definiert als Verhältnis zwischen einer Standardrente (= Regelaltersrente mit 45 Entgeltpunkten) und dem Durchschnittseinkommen der Erwerbstätigen im selben Jahr.
Aus den höheren Beitragssätzen ergeben sich je nach Haushaltskonstellation folgende zusätzliche Belastungen (erhöhter Arbeitnehmerbeitrag abzüglich Steuerersparnis aufgrund höherer Vorsorgeaufwendungen):

„Keine Generationengerechtigkeit“

Nach Meinung von Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der INSM, widerspricht die Anhebung des Rentenniveaus dem Prinzip einer generationengerechten Rentenpolitik: „Wer das Rentenniveau anhebt, belastet die Beitragszahler mit 500 bis 1000 Euro pro Jahr. Auch Alleinerziehende und Familien mit Kindern müssten bei ihren Nettoeinkommen erhebliche Einbußen verkraften. Das Bittere dabei: die tatsächlich von Altersarmut Betroffenen hätten von der Anhebung nichts.“ Und weiter: „Auch eine sogenannte Haltelinie unterhalb des derzeitigen Rentenniveaus würde die Beitragszahler in zwanzig Jahren zweistellige Milliardensummen kosten. Verlässliche Haltelinien sichert man nicht mit Gesetzen, sondern mit guter Arbeitsmarktpolitik und durch eine schrittweise Anhebung des Rentenalters.“

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare