Die wichtigste „App“ für Ihre Kunden heißt...

Berater Top News von Stefan Sommerer

Verstehen Sie uns bitte nicht falsch, auch die VEMA nimmt die ständige Medienpräsenz der Fin- und InsurTechs durchaus ernst. Wir möchten jedoch nicht in die selbe Panik verfallen, die wir derzeit bei Versicherern und manchen Vermittlern verspüren. Der laute Ruf nach einer App für Makler wird auch von uns nicht überhört. Stellt man aber die Frage, was so eine App können soll, haben nur wenige konkrete Vorstellungen. App - der App wegen - kann nicht der richtige Weg sein. Auch der Neukundensegen, den sich mancher von einer App erhofft, wird sich nicht automatisch einstellen können. Seien wir realistisch: Ob mit oder ohne App - Versicherungen stehen normalerweise nicht in den Top Ten der Dinge, für die sich ein Kunde interessiert. Eine App ändert daran in der breiten Masse der Bevölkerung gar nichts. Vor allem dann nicht, wenn man seine sonstige digitale Eigendarstellung nicht auf den Bedarf des Kunden abstimmt.

Eine zeitgemäße Homepage mit Informationen, die den Kunden interessieren (z.B. Informationen zu den Menschen in der Firma), Landingpages, ein Blog, etc… - es gibt so viele Möglichkeiten, den Kunden zu erreichen und Interesse bei ihm zu wecken und meistens wird so gut wie nichts angegangen. Das kostet Zeit, man braucht Ideen und man braucht jemanden, der gewissenhaft dahinter steht und dafür sorgt, dass nichts durch Untätigkeit versandet. Sowas braucht ein Makler nicht? Hat bisher auch alles so geklappt? Der Mensch steht im Mittelpunkt? Warum dann jetzt aber eine App?

Sie sind die wichtigste Versicherungs-App für Ihren Kunden!

Die wichtigste Versicherungs-App für Ihren Kunden, das sind Sie selbst! Sie kann er angehen, Sie helfen, Sie erklären, Sie berechnen, Sie sind für ihn da und genau das schätzt Ihr Kunde an Ihnen. Und genau deshalb wird er Sie auch weiterempfehlen! Das dürfen Sie nie vergessen und keinesfalls durch ein falsches Digitalisierungskonzept gefährden. Wenn Sie bzw. Ihre Firma nur noch eine Homepage oder App sind, werden Sie über kurz oder lang auch nur noch so wahrgenommen. Je weniger Mensch, je weniger Bindung, desto mehr Bereitschaft zu wechseln oder sich „abzuknipen“. Digitalisierung kann auch ganz böse nach hinten losgehen, wenn man nicht aufpasst.

Die aktuelle Digitalisierungsdebatte dreht sich natürlich nicht nur um Kunden, sondern auch um die Optimierung interner Prozesse, um betriebswirtschaftlicher zu arbeiten. Das LVRG mit seinen Auswirkungen auf Courtagehöhen hat nicht wenige Makler getroffen. Neue Geschäftsfelder als Alternativ- oder ergänzendes Einkommen bauen sich nicht über Nacht auf. Da ist es absolut nachvollziehbar, wenn man interne Abläufe prüft und geschmeidiger machen möchte.
Die Frage ist allerdings, ob Digitalisierung hier wirklich helfen können wird.

Digitalisierung lebt von der Standardisierung und Gleichschaltung. Nehmen wir beispielsweise den Datenaustausch zwischen Versicherer und Maklerverwaltungsprogramm. Hier müssen mehr als zwei Dutzend verschiedene Softwarehäuser, mehr als hundert verschiedene Versicherer und mehr als 46.000 verschiedene Versicherungsmakler mit all ihren Anforderungen und Bedürfnissen unter einen Hut gebracht werden, damit ein digitaler Austausch klappt. Das kann nur funktionieren, wenn sehr viel Individualisierung von allen Beteiligten aufgegeben wird. Das wird für manchen schon des Prinzips wegen schwierig werden.

Seite 1: Untergang „des Vermittlerabendlandes“?
Seite 2: Sie sind die wichtigste Versicherungs-App für Ihren Kunden!
Seite 3: Technik ohne Mehrwert