Deutsche gegenüber Beratern misstrauischer als Amerikaner

Berater von Stefan Terliesner

Eine Studie zeigt, dass hierzulande große Bedenken wegen Provisionsinteresse bestehen. Angezweifelt wird auch, ob Anlageberater und Vermögensverwalter die Zusammenhänge an den Märkten noch durchschauen.

Deutsche haben ein mehr als doppelt so großes Misstrauen gegenüber Beratern und Vermögensverwaltern wie US-Amerikaner, so eine Studie. Fotolia / Kaesler Media

Die Menschen in Deutschland haben ein mehr als doppelt so großes Misstrauen gegenüber Beratern und Vermögensverwaltern wie die US-Amerikaner. Gleichzeitig setzen sie in der Geldanlage eher auf die Unterstützung von Computern als die Bürger in Übersee. Dies sind Ergebnisse einer im Sommer zeitgleich durchgeführten repräsentativen Analyse in beiden Ländern durch die Quirin Bank zusammen mit den Meinungsforschern von YouGov. Befragt worden seien jeweils mehr als 1.000 Menschen ab 18 Jahre.

Deutsche sind internationaler

Wie die auf Honorarberatung spezialisierte Quirin Bank mitteilt, ist das Interesse am Thema Geldanlage in Deutschland und in den USA ähnlich hoch. Fast die Hälfte der Bevölkerung ab 18 Jahren zeige sich daran sehr oder eher interessiert (43 % Deutschland / 46 % USA). Je höher das Einkommen, desto stärker wachse das Interesse. Auffallend mehr Deutsche als US-Bürger haben der Umfrage zufolge kein Problem damit, außerhalb des eigenen Landes bei einem Anbieter Geld anzulegen (Deutschland 23 %, USA 14 %). Fast dreimal so viele Deutsche (15 %) wie Amerikaner (6 %) hätten das auch schon getan.

Gleich viele, rund jeder vierte Befragte in beiden Ländern, habe über das Internet schon mindestens einmal eine Geldanlage abgeschlossen. Zudem seien die Deutschen viel aufgeschlossener beim Einsatz von Computern. Fast doppelt so viele Deutsche wie Amerikaner (51 % zu 26 %) glauben, dass ohne Unterstützung durch Computer die Auswahl guter Geldanlagen nicht mehr gelingt. In den USA sei mit 30 % sogar eine große Anzahl von Menschen vom Gegenteil überzeugt.

Grundsätzliche Skepsis

Ein weiterer Unterschied zwischen Deutschen und Amerikanern: Laut Studie haben die Deutschen ein mehr als doppelt so großes Misstrauen gegenüber Beratern und Vermögensverwaltern wie die US-Amerikaner. Fast sechs von zehn Erwachsenen in Deutschland (57 %) hegten grundsätzliches Misstrauen gegenüber Beratern, die Geldanlagen empfehlen. Das sehe in den USA ganz anders aus: Nur 23 % hätten dort Misstrauen, die deutlich größere Zahl habe es nicht (31 %). Der starke Unterschied zeige sich in allen Altersgruppen.

„Kein Geldanlage-Berater kann auf Dauer schlauer als der Markt sein und bessere Ergebnisse erzielen.“ Dieser Aussage stimme jeder zweite Deutsche zu, in den USA sei es nur einer von drei Befragten. Ebenso unterschiedlich sei die Zustimmung zur Aussage: „Weil die Finanzmärkte immer komplizierter werden, durchschauen auch Experten immer weniger die Zusammenhänge.“ 58 % der Deutschen gegenüber 41 % der Amerikaner pflichten dem bei, heißt es in der Studienauswertung.

Große Vermögen im Vorteil

Entsprechend kritischer seien die Deutschen gegenüber Anlageberatern und Vermögensverwaltern: Doppelt so viele wie in den USA (42 % zu 21%) glauben, „dass man an gute Geldanlagen nur kommt, wenn man ein großes Vermögen verwalten lässt. Mit kleinen Beträgen ist das nicht möglich.“ Fast doppelt so viele Deutsche seien der Meinung, dass „gute Geldanlage-Ergebnisse nur die teuren Verwalter schaffen, die etwa einen großen Stab an Leuten hinter sich haben“ (27 % D zu 15 % USA).

Sehr unterschiedlich fallen laut Studie auch die größten Bedenken bei der Geldanlageberatung aus. In Deutschland sei mit 58 % die klar häufigste Nennung, „dass Anlagen nur aus Provisionsinteresse empfohlen werden“. An zweiter Stelle folge mit 46 % die Sorge, zu viel für die Anlageberatung zahlen zu müssen. In den USA würden diese Bedenken nur von jeweils einem Drittel der Befragten genannt.

Internet ist eine gute Hilfe

Ähnlich viele Deutsche wie Amerikaner hielten das Internet für eine gute Hilfe bei der Geldanlage (43 % D und 42 % USA). Denn in beiden Ländern wünschten sich fast gleich viele Menschen, „bequem und von überall die Geldanlage disponieren zu können, etwa über das Internet“ (56 % D zu 55 % USA). Allerdings fühlten sich die Deutschen seltener gestresst, wenn sie ihre Geldanlage in Eigenregie betreiben (48 % D zu 36 % in USA). Laut Studie gehen sie auch geringere Risiken ein: Mehr als jeder dritte Deutsche (36 %) gebe an, grundsätzlich keine börsennotierten Wertpapiere zu kaufen. In den USA sage das nur etwa jeder vierte Befragte (27 %).