bAV-Direktzusage: So wirkt sich die HGB-Zinsänderung aus

Berater von Michael Fiedler

Betriebliche Altersversorgung: Der Jahresabschluss 2016 steht an. Unternehmen, die Direktzusagen getätigt haben, müssen die Änderung des HGB-Rechnungszinses berücksichtigen.

Mark Walddörfer, Geschäftsführer Longial GmbH

Gibt Hinweise, wie sich HGB-Zinsänderung auf Direktzusagen auswirkt: Mark Walddörfer, Geschäftsführer Longial GmbH Bild: Longial

Zum Jahresbeginn 2016 änderte der Gesetzgeber die Regeln bei der Bewertung von Altersversorgungsverpflichtungen (§ 253 Handelsgesetzbuch). Wesentliche Neuerung ist die Umstellung des Rechnungszinses in der Bewertung von einem siebenjährigen auf einen zehnjährigen Durchschnitt. Betroffen sind Arbeitgeber, die Direktzusagen (unmittelbare Versorgungszusage) getätigt haben. Zugesagte Versorgungsleistungen müssen aus dem Betriebsvermögen erbracht werden und dafür müssen Rückstellungen gebildet werden. Diese werden auf der Passivseite der Bilanz ausgewiesen. „Durch die Gesetzesänderung kommt es im Geschäftsjahr 2016 zu einem Anstieg des Rechnungszinses von 3,89 Prozent am 31.12.2015 auf voraussichtlich 4,00 Prozent am 31.12.2016“, so Mark Walddörfer, Geschäftsführer der Longial. Dies führt im Jahresabschluss zu einer leichten Entlastung bei den Pensionsverpflichtungen. Weitere Neuerung der Gesetzesreform ist die Pflicht zu einer Vergleichsbewertung mit sieben- und zehnjährigem Durchschnittszins. Der Unterschiedsbetrag ist als Risiko im Bilanzanhang anzugeben, Kapitalgesellschaften haben außerdem eine Ausschüttungssperre in dieser Höhe einzuhalten.

Was gilt für Ansammlungsbeiträge aus der BilMoG-Einführung?

Laut Longial besteht Entscheidungsspielraum für Gesellschaften, die den Anstieg ihrer Pensionsverpflichtungen bei Einführung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) im Jahr 2010 noch nicht vollständig verarbeitet haben. Sie können überlegen, ob sie die Entlastung aus dem Zinsanstieg nutzen, um die noch ausstehenden Ansammlungsbeträge beschleunigt zuzuführen. Dabei sei sowohl eine separate Erfassung als auch eine direkte Verrechnung beider Effekte möglich, so der Pensionsberater.

Entlastung ist nur Einmaleffekt!

Indes ist Vorsicht geboten, warnt Mark Walddörfer: „Die leichte Entlastung in 2016 ist ein Einmaleffekt, die Wirkung der Gesetzesreform bereits weitgehend verpufft.“ Die Zinssätze an den Kapitalmärkten befinden sich im freien Fall und werden in den kommenden Jahren wieder zu deutlichen Zuwächsen bei den handelsbilanziellen Pensionsrückstellungen führen. Unternehmen, die nach den internationalen Rechnungsvorschriften IFRS (International Financial Reporting Standards) bilanzieren, bekommen dies bereits im kommenden Jahresabschluss zu spüren.

Lagen die einschlägigen Rechnungszinssätze im Abschluss 2015 noch über zwei Prozent, so nähern sie sich derzeit einem Niveau von ein Prozent oder sogar noch weniger. Die Folge ist ein dramatischer Anstieg der Defined Benefit Obligation (DBO), also des Barwertes der bis zum Bilanzstichtag verdienten Leistungen.
„Musterberechnungen zeigen, dass dieser bei einem Mischbestand 20 Prozent bis 40 Prozent der Verpflichtungshöhe ausmachen kann“, ergänzt der Longial-Experte. Die Erfassung des Anstiegs erfolgt erfolgsneutral gegen das kumulierte übrige Eigenkapital (Other Comprehensive Income (OCI).

Auswirkungen der Inflation

Neben den geringen Renditen von (Unternehmens-)Anleihen ist in Europa seit einigen Monaten eine äußerst geringe Inflation, bis an die Grenze zur Deflation, zu beobachten. Im Rahmen der Pensionsverpflichtungen sollten Bilanzierer daher ihre Annahmen zu künftigen Anwartschafts- und Rentensteigerungen hinterfragen. Soweit diese inflationsabhängig sind, ist in der Regel eine Absenkung der langfristigen Erwartungen geboten, rät Longial. So könne ein Teil der Zuwächse der Rückstellungen durch die sinkenden Zinssätze kompensiert werden.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen sollten Unternehmen mit Direktzusagen frühzeitig den Jahresabschluss in Angriff nehmen und sich unter Umständen mit einem Gutachter über die anzusetzenden Zinssätze und Trendannahmen abstimmen.

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