41 Prozent aller Pflegebedürftigen brauchen Sozialhilfe

Berater von Martin Thaler

Wenn es um einen Heimplatz geht, können sich viele Senioren einen solchen oftmals nicht leisten. Dies zeigt eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung. Diese stellte starke regionale Unterschiede fest.

In 44 Prozent der Landkreise reicht das Budget der Senioren nicht zur Finanzierung eines Heimplatzes, zeigt eine Studie der Bertelsmann Stiftung.

In 44 Prozent der Landkreise reicht das Budget der Senioren nicht zur Finanzierung eines Heimplatzes, zeigt eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Foto: Bertelsmann Stiftung

Mit dem demographischen Wandel und einer steigenden Lebenserwartung rückt die Pflegesituation in Deutschland immer mehr in den Fokus – nicht nur in der Politik, sondern auch in vielen Familien, in denen ein Angehöriger pflegebedürftig wird. Oftmals sehen sich diese allerdings, wenn es um einen Heimplatz geht, mit dem Problem der Finanzierung konfrontiert.  

Denn in großen Teilen Deutschlands kostet ein Heimplatz mehr, als Senioren finanziell aufbringen können. So übersteigt der fällige Eigenanteil in 44 Prozent aller Städte und Landkreise in Deutschland das durchschnittliche Budget der Über-80-Jährigen. Das ist das Ergebnis einer Pflegeinfrastruktur-Studie, die die Bertelsmann-Stiftung an diesem Mittwoch vorstellte.  

Diese stellte große regionale Unterschiede bei der Finanzierbarkeit von Pflegeheimplätzen fest. Während im Osten und Norden der Republik die Finanzierung eines Heimplatzes zumeist kein Problem sei, reiche die Finanzkraft der Senioren in Teilen von Baden-Württemberg und Bayerns sowie in Nordrhein-Westfalen, Saarland und Rheinland-Pfalz meist nur, um einen Heimplatz für maximal zehn Monate im Jahr zu finanzieren.  

Oftmals müssen dann Angehörige einspringen oder die Senioren sind gezwungen, Sozialleistungen zu beantragen. So hätten laut Bertelsmann-Stiftung bundesweit 41 Prozent aller Pflegebedürftigen zusätzlich Sozialhilfe beantragen müssen. Oftmals würde auch auf einen Heimplatz verzichtet, die Angehörigen würden in diesen Fällen die Pflege übernehmen.  

„Ob Pflegebedürftige durch Angehörige, einen ambulanten Dienst oder im Heim versorgt werden, hängt auch vom Einkommen der Pflegebedürftigen ab", sagte Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.   Als Grund für die starken regionalen Unterschiede sieht die Studie die unterschiedliche Vergütung der Pflegekräfte. Deren Einkommen sei im Südwesten der Republik oftmals doppelt so hoch wie im Nordosten. So lagen die Bruttoengelte in der Pflege 2013 zwischen 1.714 und 3.192 Euro im Monat.  

Hier sieht die Stiftung die Politik in der Pflicht. „Noch fehlt eine Lösung, wie sich die Leistungen der Pflegeversicherung so weiterentwickeln lassen, dass Altenpflegekräfte leistungsgerecht bezahlt werden, ohne die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen finanziell zu überfordern", sagt Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte der Bertelsmann Stiftung.

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