ZDF in der Honorarberaterfalle

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Lebensversicherungen, die zur Immobilienfinanzierung eingesetzt werden, Verkaufsmethoden, die Verbraucher in den Ruin stürzen, legaler Betrug und gierige Konzerne, die Gesetzestexte manipulieren. Das sind die Zutaten für die „Lebensversicherungsfalle“ (ZDFzoom). Doch wirklich neue Erkenntnisse blieben Mangelware, kommentiert Michael Fiedler.

ZDFzoom: LV zur Immobilienfinanzierung

So funktioniert die Immobilienfinanzierung über Lebensversicherungen. Bild: Screenshot / ZDFzoom

Bastian Schweinsteigers Karriere-Ende im DFB-Dress sollte gestern Abend im ZDF der Abgesang auf die deutsche Lebensversicherungsbranche folgen. In der Ankündigung zur Sendung „Die Lebensversicherungsfalle“ hieß es: „ZDF-Autor Oliver Koytek will wissen, warum das System Kapitallebensversicherung nicht mehr funktioniert und fragt für "ZDFzoom" nach - bei Verbrauchern, Kritikern, Insidern und der Versicherungswirtschaft.“

Im halbstündigen Dokumentarfilm kommen Endkunden zu Wort, die Kapitallebensversicherungen einsetzten, um Immobiliendarlehn zu finanzieren. Dass dieses Modell nicht geeignet ist, konnte man auch schon 2009 im Handelsblatt lesen. Darin heißt es: „Denn bei Versicherungen sollte nur mit der garantierten Leistung kalkuliert werden, und dann sieht man schnell, dass sich diese Variante nicht auszahle, wie Stefan Albers, Präsident des Bundesverbandes der Versicherungsberater aus seiner Praxis berichtet.“
Es folgen: Axel Kleinlein, der erklärt, wie Lebensversicherer ihre Gelder aufteilen müssen und von legalem Betrug spricht, sowie Ökotest, die aufgedeckt haben wollen, wie der GDV Gesetze mitschreibt. Als Gegenstimme tritt allein Dr. Peter Schwark vom GDV auf.

Honorarberater: Vom Saulus zum Paulus

Auch nicht neu sind die im Film angesprochenen Verkaufsmethoden. In einer leerstehenden Fabrik berichtet ein Insider, der unerkannt bleiben will, mit Kapuze von Verkaufsdruck und Umsatzvorgaben. Und ein Ex-Banker schildert, wie er Mitarbeiter unter Druck setzte und Kunden manipulierte. Er schämte sich und vollzog eine Wandlung: Er nimmt nun Honorare.
Wie er diese berechnet, welche Produkte er anbieten und wer sich die Honorare des Ex-Bankers leisten kann, ist dem ZDF keine Nachfrage wert.

Der Film selbst vermengt also eine Fülle unterschiedlicher Debatten:

Warum also der Aufguss nicht neuer Erkenntnisse? Vielleicht bringt der Schluss des Filmes Klarheit. Dort heißt es: „Nur wer keine Provisionen nimmt, ist unabhängig.“ Das kommt Ihnen auch bekannt vor? Richtig: Der Film bezieht eine politische Position: Die Stärkung des Honorarberaters. Diese Sichtweise wird auch von Verbraucherschützern stark forciert, die ihrerseits ebenfalls eng mit der Politik verflochten sind. Das, liebes ZDF, wäre doch auch ein Fall für Lobby-Control.

ZDFzoom: "Die Lebensversicherungsfalle"

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