Wirtschaft wird zum Pflichtfach

Versicherungen Meistgeklickt von Stefan Terliesner

Als erstes Bundesland will Baden-Württemberg Schüler auf ihre zukünftige Rolle als Entscheider für ihre Finanzen vorbereiten. Vor einem Jahr hatte der Tweet einer Schülerin bundesweit für Aufsehen gesorgt.

Die baden-württembergische Landesregierung (Bild: Kultusministerin Susanne Eisenmann) führt zum neuen Schuljahr flächendeckend Wirtschaft als Unterrichtsfach ein.

Die baden-württembergische Landesregierung (Bild: Kultusministerin Susanne Eisenmann) führt zum neuen Schuljahr flächendeckend Wirtschaft als Unterrichtsfach ein. Bild: Ministerium für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg

Neues aus dem „Musterländle“: Wenn in der nächsten Woche in Baden-Württemberg das Schuljahr startet, dann beginnt damit ein neues Kapitel in der Bildungspolitik. In den aktuellen Bildungsplänen ist erstmals das Unterrichtsfach Wirtschaft flächendeckend verankert – ein Novum in Deutschland. Hierauf weist der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in einem Presse-Newsletter hin. Seinen Angaben zufolge ist das „ein wichtiger Schritt für wirksamen Verbraucherschutz“.  

Wirtschaftliches Verständnis oft mangelhaft  

„Wirtschaft/ Berufs- und Studienorientierung“ heißt das Fach, das die Schüler der Real-, Werkreal- und Gemeinschaftsschulen künftig von der 7. bis zur 10. Klasse lernen – fünf Stunden pro Woche. Richtig los geht es laut GDV für sie allerdings erst im nächsten Jahr, da die neuen Bildungspläne schrittweise wirken. Ein weiteres Jahr darauf folgen die Gymnasiasten, die von der 8. bis zur 10. Stufe drei Stunden pro Woche Wirtschaftsunterricht bekommen.

Ziel der Landeskultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sei es, das junge Menschen die grundlegenden wirtschaftlichen Zusammenhänge nicht nur erkennen und verstehen, sondern auch kritisch hinterfragen können.  

Daran hapert es laut GDV bei vielen Jugendlichen: Unternehmen würden seit Langem die mangelnde ökonomische Grundausbildung beklagen. So habe das Bundesverbraucherschutzministerium im Jahr 2010 Zehntklässler nach ihren Wirtschaftskenntnissen befragt. Gut die Hälfte von ihnen habe nicht gewusst, was ein Girokonto ist. Für Aufruhr sorgte nach Angaben des Verbandes im Jahr 2015 auch das öffentliche Eingeständnis der Kölner Schülerin Naina: „Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ‘ne Gedichtsanalyse schreiben. In vier Sprachen.“ Ihr Tweet löste eine Debatte über die richtigen Schwerpunkte im Unterricht aus.  

„Verbraucherschutz fängt mit guter Finanzbildung an“  

Fast scheint es, als hätten sich Baden-Württemberg Bildungspolitiker Nainas Kritik zu Herzen genommen, schreibt der GDV. Das neue Fach solle Schülern nicht nur die großen Zusammenhänge des Wirtschaftens vermitteln, etwa das Zusammenspiel von Angebot, Nachfrage und Preis. Der Unterricht orientiere sich auch an konkreten Lebenssituationen.

Laut GDV sollen sollen die Jugendlichen als mündige Verbraucher erzogen und auf ihre künftige Rolle als Anleger oder als Kredit- und Versicherungsnehmer vorbereitet werden. Die unterschiedlichen Kreditarten, Ursachen von Überschuldung oder Ziele der Vermögensanlage stünden daher ebenso auf dem Lehrplan. Nur wer gut informiert sei, könne seine Eigenverantwortung etwa für die Altersvorsorge erkennen und auch handeln. „Wirksamer Verbraucherschutz fängt mit einer guten Finanzbildung an“, gibt sich der GDV überzeugt.  

In den meisten Bundesländern genieße die Wirtschaftsbildung jedoch noch nicht den großen Stellenwert. Mal gebe es zwar ein eigenes Fach dafür – so wie in Sachsen-Anhalt –, jedoch nur für bestimmte Schulen und nicht flächendeckend. Oder die Lerninhalte würden im Verbund mit anderen Fächern unterrichtet, etwa Recht oder Gemeinschaftskunde.

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