Versicherung muss auch für Spätfolgen zahlen

Versicherungen von Martin Thaler

Auch Jahre nach einem Unfall kann ein Unfallopfer Recht auf Schadenersatz haben. Dies entschied das OLG Frankfurt.

Das OLG Frankfurt am Main entschied, dass dem Unfallopfer auch noch Jahre später Schadenersatz zusteht.

Das OLG Frankfurt am Main entschied, dass dem Unfallopfer auch noch Jahre später Schadenersatz zusteht. Foto: OLG Frankfurt

Auch wenn ein Unfall Jahre zurückliegt, kann ein Unfallopfer auch Jahre später noch zu Schadenersatz von der Versicherung kommen, etwa wenn Komplikationen mit einem Zahnersatz auftreten. Das entschied das Oberlandesgericht Frankfurt am Main (Az.: 17 U 122/14).  

Im konkreten Fall war es 1998 zu einem Verkehrsunfall gekommen. Hierbei musste einem der Unfallopfer ein Zahn gezogen werden. Der geschädigte Zahn wurde versorgt, indem in der Zahnwurzel ein Stift verankert und darauf eine Krone aus keramischem Material aufgebaut worden war.  

Fünf Jahre darauf, im September 2003, hatten sich die beiden Unfallparteien auf eine so bezeichnete „Teil-Abfindungserklärung“ verständigt, mit der vergleichsweise alle Ansprüche aus dem Unfallereignis gegen Zahlung von 25.000 Euro abgegolten sein sollten. Ausgenommen hiervon waren jedoch unter anderem „zukünftige unfallbedingte vermehrte Bedürfnisse“.  

Im Jahr 2012 teilte das Unfallopfer der Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers mit, dass sich der Stiftzahn gelöst hatte. Die hierbei entstandene Lücke musste versorgt werden. Die Kostenübernahme in Höhe von knapp 5.850 Euro hierfür lehnte die Versicherung jedoch ab. Begründung: Bei dem notwendig gewordenen Eingriff handele es sich um eine Heilbehandlung, und nicht um besagte unfallbedingte vermehrte Bedürfnisse.  

Dieser Auffassung folgte das Frankfurter OLG nicht. Es entschied, dass es sich bei dem Eingriff um Mehrausgaben für eine Behandlung handele, die nicht der Heilung (d.h. der Wiederherstellung des ursprünglichen Zahns), sondern der langfristigen Linderung der Leiden des Geschädigten durch einen einen Zahnersatz diene. Es erkannte ein „vermehrtes Bedürfnis“, das nicht durch die Abfindung abgedeckt werde und für das die Versicherung des Unfallverursachers die Kosten übernehmen müsse.