So stark legen psychische Erkrankungen zu

Berater von Martin Thaler

Die Zahl der Fehltage aufgrund psychischer Probleme nimmt seit 2004 immer stärker zu, wie der neue AOK-Fehlzeiten-Report zeigt. Für starken Stress ist gerade für Jüngere dabei nicht nur die Arbeit verantwortlich.

Die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen nehmen weiter zu.

Die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen nehmen weiter zu. Foto: agsandrew - fotolia.com

Wer jung ist in Deutschland, muss offenbar immer mehr Stress bewältigen: Dies ist das Ergebnis der Studie „Zukunft Gesundheit 2016“ der Schwenninger Krankenkasse und der Stiftung „Die Gesundarbeiter“. Diese fand heraus: Für 74 Prozent der 1000 befragten 14- bis 34-Jährigen sei das Leben nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr stressiger geworden. Zudem fühlten sich 68 Prozent dieser Altersgruppe regelmäßig gestresst – ein Trend, der seit Jahren nur eine Richtung kennt.  

Für Stress sorgt dabei nicht nur die Arbeit, sondern auch das Privatleben. Auch hier ist die ständige Erreichbarkeit für Freunde oder Familie zum allgemeinen Dogma geworden, digitale Medien gewährleisten Dauerkommunikation. So gaben 53 Prozent der Befragten an, dass insbesondere das Privatleben für Stress bei Ihnen sorge – die Arbeit indes gab hier nur 29 Prozent an.  

Dennoch: Stress gibt es auch bei der Arbeit, wie der neue „Fehlzeiten-Report 2016“ des AOK-Bundesverbandes zeigt. So stieg der Krankenstand auch in diesem Jahr wieder an – zum bereits vierten Mal in Folge. Im Vergleich zum Vorjahr stieg er um 0,1 Prozentpunkte auf 5,3 Prozent – 2011 hatte er noch bei 4,7 Prozent gelegen. Damit waren Beschäftigte 2015 im Schnitt für 19,5 Tage vom Arzt krankgeschrieben.  

Auch die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen – und hier lässt sich an das hohe Stressempfinden anknüpfen – nehmen weiter zu. Zwischenzeitlich geht jeder zehnte Fehltag (10,5 Prozent) auf diese Erkrankungsart zurück. Im Durchschnitt fehlte ein AOK-Mitglied im Betrieb 2,8 Tage aufgrund einer psychischen Erkrankung und damit 0,1 Tage mehr als noch im Jahr 2014. Seit 2004 nahmen die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen damit um knapp 72 Prozent zu. Sehr auffällig sind zudem die Ausfallzeiten bei psychischen Erkrankungen: Diese fielen 2015 mit im Schnitt 25,6 Tagen je Fall mehr als doppelt so lange aus wie der Durchschnitt mit 11,6 Tagen.  

Die gute Nachricht für alle Unternehmer: Mitarbeiter, die die Unternehmenskultur als positiv empfinden, sind deutlicher zufriedener mit ihrer Gesundheit und klagen seltener über körperliche und psychische Beschwerden als Beschäftigte, die ihr Arbeitsumfeld als belastend empfinden.

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