Kreditrichtlinie könnte Immobilienboom beenden

Sachwerte von Stefan Terliesner

Ein halbes Jahr nach Einführung der schärferen Regeln vergeben Banken deutlich weniger Kredite. Dadurch könnten auch die Preise sinken, heißt es in einer Studie der HSBC. Nimmt die Politik die Bremse jetzt wieder raus?

Die Londoner Bank HSBC kommt in einer Studie zu dem Schluss, dass die Wohnimmobilienkreditrichtlinie den Immobilienboom in Deutschland beenden könnte.

Die Londoner Bank HSBC kommt in einer Studie zu dem Schluss, dass die Wohnimmobilienkreditrichtlinie den Immobilienboom in Deutschland beenden könnte. Foto: HSBC

Wenn es nach den Experten der britischen Großbank HSBC geht, könnte der Immobilienboom in Deutschland demnächst vorbei sein. Die Ursache dafür sehen sie einem Bericht von „Die Immobilie“ zufolge in der Wohnimmobilienkreditrichtlinie, die im März dieses Jahres in Kraft getreten ist. Durch die verschärften Kreditkonditionen werde vor allem älteren Menschen die Immobilienfinanzierung erschwert. Dadurch könnte die Nachfrage sinken und die Preise ins Stocken geraten. Die Richtlinie könne „sogar zu einem gänzlichen Sinken der Preise führen", zitiert das Medium aus der Studie.  

Kapitaldienstfähigkeit über die gesamte Kreditlaufzeit  

Seit einem halben Jahr müssen Banken bei der Immobilienfinanzierung prüfen, ob der Kreditnehmer in der Lage ist, seine Schulden im Laufe des Lebens aus seinem laufenden Einkommen zu begleichen. Dem Bericht zufolge kritisiert der Immobilienverband IVD, dass dadurch kaum jemand über 60 Jahre noch Kredit bekommt.

Aber nicht nur die. Laut Börsen-Zeitung hat der baden-württembergischen Sparkassenpräsidenten Peter Schneider den Abgeordneten im Stuttgarter Landtag offenbart, dass auch ihre Chancen auf eine Immobilienfinanzierung schlecht stünden. Nur für fünf Jahre gewählt - da könnte es eng werden mit der Kapitaldienstfähigkeit über die gesamte Kreditlaufzeit.  

Und jetzt stellt HSBC fest: „Bestimmte Gruppen werden ganz offensichtlich Schwierigkeiten beim Kreditzugang bekommen", zitiert „Die Immobilie“ Stefan Schilbe, HSBC-Chefvolkswirt und Mitverfasser der Studie. Demnach sehen die Analysten darin ein Risiko für den florierenden deutschen Wohnungsmarkt. Im schlimmsten Fall könne das Gesetz auch als „Bremse für die Bauaktivitäten" wirken.

Die verschärften Vergabekriterien hätten zu einem Abwärtstrend bei der Neuvergabe von Krediten geführt. Das Volumen der Neukredite habe im Juli etwa 20 Prozent unter dem Vorjahreswert gelegen. Chefökonom Schilbe geht den Ausführungen zufolge davon aus, dass sich die neuen Konditionen auch demnächst in den Immobilienpreisen niederschlagen werden. Die Vergangenheit hätte gezeigt, dass die Preise immer mit einem Jahr Verzögerung auf den Rückgang der Neukredite reagieren. Das könnte zu einer empfindlichen Kettenreaktion führen.  

Finanzpolitiker der Union fordern Nachbesserungen  

Möglicherweise wird die Bundesregierung die Wohnimmobilienkreditrichtlinie etwas entschärfen. Nach Informationen der Börsen-Zeitung werden in der Koalition Forderungen nach Nachbesserungen laut. Angesichts einer sinkenden Kreditvergabe würden Finanzpolitiker der Union den Druck auf Justizminister Heiko Maas (SPD) erhöhen. Das Justizministerium müsse die Unklarheiten, die sich in der Praxis ergeben haben, schnellstmöglich beseitigen. Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sehe Handlungsbedarf.