Fidelity ruft nach Konjunkturspritzen

Investmentfonds von Stefan Terliesner

Der globale Ausblick des Asset Managers offenbart, dass die Notenbanken ihr Pulver weitgehend verschossen haben. Jetzt sollen fiskalpolitische Stimulusmaßnahmen für Wachstum sorgen.

Konjunkturspritzen für Wirtschaft

Nach Ansicht von Fidelity „ist es künftig an der Fiskalpolitik, die Wirtschaft mit Konjunkturspritzen anzukurbeln.“ Fotolia / peshkov (links), Björn Wylezich (rechts)

Das Multi-Asset-Team der Kapitalanlagegesellschaft Fidelity spricht sich offenbar für eine stärker nachfrageorientierte Politik aus – ganz nach dem Motto: Hauptsache die Wertpapierkurse steigen. In ihrem aktuellen Makroausblick jedenfalls stellen die Asset Manager fest, dass die Weltwirtschaft trotz günstiger Rahmenbedingungen „keinen Weg aus Mini-Wachstum und Mini-Inflation“ findet. Langsam aber sicher gehe den großen Zentralbanken das Pulver aus. Es wüchsen die Zweifel, ob zusätzliche „geldpolitische Maßnahmen“ die Nachfrage ankurbeln werden. „Daher“, so die Kapitalverwalter, „ist es künftig an der Fiskalpolitik, die Wirtschaft mit Konjunkturspritzen anzukurbeln.“

Stimulus noch in diesem Jahr

Mit „Konjunkturspritzen“ dürften „Geldspritzen“ gemeint sein. Mit entsprechenden Maßnahmen rechnen die Fidelity-Angestellten „noch binnen Jahresfrist sehen, spätestens 2017/18.“ Zusätzlich spreche weiter alles für eine weltweit lockere Geldpolitik. Dass „Konjunkturspritzen“ fast immer auch zu einer höheren Staatsverschuldung mit entsprechender Belastung zukünftiger Generationen führt, erwähnen die Vermögensverwalter in ihrem Ausblick nicht. Immerhin: Mit Blick auf Großbritannien mahnen sie Strukturreformen an. Die Bank of England könne allmählich nicht mehr helfen.

Trotz des Rufs nach „Konjunkturspritzen“ erwarten die Asset Manager eine „sich weiter beschleunigende Wachstumsdynamik“. Ausschlaggebend für die konsumgetriebene Belebung sei die in den meisten Industrieländern solide Tendenz bei Beschäftigung, Verbrauchervertrauen und Reallöhnen. Eine Ausnahme bilde wegen der Brexit-Unsicherheiten Großbritannien. Uneinheitlich sei die Entwicklung in den Schwellenländern, von denen laut Fidelity nur wenige mit starken Daten aufwarten. Die entspannten Kreditkonditionen sollten jedoch dazu beitragen, dass ihr Wachstum weiter Tritt fasst.

Weltregionen um Überblick

Die detailliertere Einschätzung des Multi-Asset-Teams von Fidelity zu insgesamt sechs Regionen wird hier in gekürzter Form wieder gegeben:

Eurozone: Noch kein Brexit-Effekt

In der Eurozone wächst die Wirtschaft bei schwachem Preisauftrieb. Spanien und Deutschland ließen Italien und Frankreich hinter sich. Die Beschäftigung in der Eurozone schnellte weiter nach oben auf den Höchststand seit 2011. Deutschland setzte sich mit neuem Jahreshoch an die Spitze, Frankreich liegt abgeschlagen am Ende. Für die nächste Zeit rechnen wir mit einem leichten Inflationsanstieg. Der vom Brexit ausgehende Dämpfer für die britische Wirtschaft wird die Stimmung und das Wachstum im Euroraum im zweiten Halbjahr wahrscheinlich etwas trüben.

Großbritannien: Wirtschaft schrumpft

Das Bruttoinlandsprodukt schrumpft im Juli voraussichtlich um 0,2 Prozent zum Vormonat. Der Abschwung am Immobilienmarkt, das langsamere Beschäftigungswachstum und die größere Konsumzurückhaltung werden Spuren beim Wachstum hinterlassen. Die Inflation dürfte steigen, denn mit dem schwachen Pfund werden Importe teurer. Nach ihren jüngsten Maßnahmen läuft die Bank of England Gefahr, dass ihr schon bald die Munition ausgeht. Zusätzlich sind Haushaltsmaßnahmen und Strukturreformen unausweichlich, um die britische Wirtschaft durch die Brexit-Turbulenzen zu steuern. Stimulusmaßnahmen wie Infrastrukturinvestitionen und Konjunkturprogramme für mehr Konsum – gegebenenfalls auch über Steuersenkungen – könnten helfen, die Brexit-Folgen zu begrenzen.

USA: Wachstumsbelebung erwartet

Nach dem schleppenden Jahresauftakt dürfte sich das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr auf rund 1,5 Prozent summieren. Rückenwind dürfte vom beschleunigten Vorratsaufbau, der starken Dynamik am Immobilienmarkt und dem anhaltend soliden Konsum ausgehen. Im weiteren Verlauf könnte eine gelockerte Fiskalpolitik der Konjunktur auf die Sprünge helfen. Unterdessen ist eine Zinserhöhung der Fed noch in diesem Jahr nicht völlig ausgeschlossen.

Japan: Stimulusmaßnahmen wirken erst 2017 voll

Aus unserer Sicht wird sich Japans Konjunktur ausgehend vom niedrigen Niveau im Vorjahr etwas beschleunigen. Allerdings geht das aus den Daten bislang nicht hervor. Das schwache Vertrauen und der seit Mitte 2015 erheblich aufgewertete Yen schlagen sich in Gegenwind für die Industrie nieder. Dagegen werden die angekündigten zusätzlichen Stimulusmaßnahmen das Wachstum in den kommenden Monaten wohl leicht ankurbeln, ihre Wirkung aber erst 2017 voll entfalten.

China: Das Wachstum kühlt ab

Nach der geldpolitischen Unterstützung in der ersten Jahreshälfte mehren sich die Anzeichen, dass der Minizyklus wegen der zurückgefahrenen Stimulusmaßnahmen seinen Höhepunkt überschritten hat. Angesichts der weltweit sehr günstigen Finanzierungsbedingungen dürfte diese Abkühlung gering ausfallen. Eine allmähliche Wachstumsabkühlung in den nächsten Monaten und Jahren ist jedoch eine unvermeidliche Folge des in China eingeleiteten Wirtschaftsumbaus. Aus jetziger Sicht rechnen wir aber weder mit einer harten Landung noch mit finanziellem Stress oder gar einer Finanzkrise.

Schwellenländer: Wirtschaft fasst weiter Tritt

Für die Schwellenländer erwarten wir für dieses Jahr ein moderates Wachstum, denn der Rohstoffschock des vergangenen Jahres liegt wohl hinter uns. Die stabileren Rohstoffpreise verschaffen den Schwellenländern eine gewisse Verschnaufpause. Ihre Entwicklung verläuft indes nach wie vor uneinheitlich und nur wenige können derzeit mit starken Fundamentaldaten aufwarten. Insgesamt sollten die weltweit entspannten Kreditkonditionen dazu beitragen, dass das Wachstum der Schwellenländer weiter Tritt fasst. Zudem haben die in den vergangenen beiden Jahren deutlich abgewerteten Währungen viele Schwellenländer wettbewerbsfähiger gemacht. Dass sich ihre Währungen zuletzt stabilisiert haben, hat das Vertrauen gestärkt. Dank des geringen Inflationsdrucks sind viele Schwellenländer nun in der Lage, ihre Geld- und Fiskalpolitik zu lockern. Mit deutlich mehr Wachstum als derzeit ist allerdings nicht zu rechnen. Dem dürften die Abkühlung in der chinesischen Industrie entgegenstehen und der in vielen Ländern mangelnde Reformeifer.

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