„Die Zinswende in den USA ist vorbei“

Investmentfonds von Stefan Terliesner

Am 21. September wird die amerikanische Notenbank keine weitere Zinserhöhung beschließen – und auch danach nicht, meint der Rentenexperte Frank Engels. Die US-Konjunktur kühle ab.

Federal Reserve (Fed) und Bank of Japan

Treffen Leitzinsentscheidungen: Federal Reserve (links) und Bank of Japan (rechts, von oben). Bild: Fotolia / doganmesut (links) / fugu_24 (rechts)

Die Zweifel an einer Zinswende in den USA mehren sich. Nach M.M. Warburg sagt nun Frank Engels, Leiter Portfoliomanagement Renten bei Union Investment klipp und klar: „Wir erwarten keinen weiteren Zinsschritt. Die Zinswende in den USA ist schon vorbei, bevor sie richtig angefangen hat.“

Yellen befeuerte Auftriebsspekulationen

Am 21. September wissen wir mehr. Dann ist laut Engels der „geldpolitische Tag der Wahrheit. Mit der US-amerikanischen Federal Reserve (Fed) und der Bank of Japan finden gleich zwei wichtige Leitzinsentscheidungen statt. Vor allem die Sitzung der Washingtoner Währungshüter wird mit Spannung erwartet. Der Grund: Janet Yellen, die Präsidentin der Fed, und ihr Vize Stanley Fischer haben mit ihren Kommentaren auf dem Notenbank-Treffen in Jackson Hole die Spekulationen um eine Leitzinsanhebung in den USA befeuert.“

Seitdem seien die an der Börse eingepreisten Wahrscheinlichkeiten für Zinsschritte im September und Dezember in die Höhe geschossen. Das Ausbleiben neuer geldpolitischer Lockerungsbeschlüsse auf der September-Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) habe den Anstieg der Renditen für sichere Staatsanleihen noch verstärkt. „Insgesamt“, so Engels, „glaubt der Markt derzeit, dass die Falken wieder die Oberhand bei der Fed bekommen. Aber damit liegt er falsch.“

Gewinne sinken, Investitionen bleiben aus

Das Zeitfenster für weitere Zinserhöhungen schließe sich. Handfeste ökonomische Gründe für eine Straffung der Geldpolitik habe es in den USA ohnehin nie gegeben. Dazu Engels: „Zu gering war der Preisdruck, zu moderat das Wachstum, als dass es einen nachhaltigen Zinserhöhungspfad gerechtfertigt hätte. Zwar waren die Daten gut genug, um einen einzelnen Zinsschritt im Dezember 2015 zu rechtfertigen – aber eben auch nicht mehr. Aktuell nehmen die Fragezeichen auf der Wachstumsseite sogar eher zu.“

Der US-Konjunkturzyklus befinde sich bereits seit geraumer Zeit in einer reifen Phase: Neben einer Straffung der Refinanzierungsbedingungen für Unternehmen durch die Banken sei vor allem die Erosion der Profitabilität von „Corporate America“ und die schwache Investitionsneigung für die dunklen Wolken am US-amerikanischen Konjunkturhimmel verantwortlich. „Wir gehen davon aus, dass sich diese Warnsignale in den nächsten Wochen und Monaten verstärkt in harten ökonomischen Fakten niederschlagen werden“, betont Engels. Eine Leitzinsanhebung würde daher zum jetzigen Zeitpunkt eher prozyklisch in Richtung abnehmender gesamtwirtschaftlicher Aktivität wirken.

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