BU-Beiträge durch Karenzzeiten senken?

Berater Top News von Michael Fiedler

Durch die Vereinbarung von Karenzzeiten können Beiträge zur Berufsunfähigkeitsversicherung gespart werden. Welche Vor- und Nachteile sich dadurch ergeben können.

Karenzzeiten in der BU

Karenzzeiten in der BU - Lohnt sich das wirklich? Fotolia / highwaystarz

Worauf sollte bei der Auswahl der Berufsunfähigkeitsversicherung geachtet werden? Laut uniVersa sollte vor allem auf folgende Punkte geachtet werden:

  • Bedingungsqualität
  • Laufzeit des Vertrages
  • Höhe der versicherten Monatsrente

Im Fall einer Berufsunfähigkeit muss die Versicherungsleistung ausreichen, um die monatlichen Lebenshaltungskosten und Abbuchungen bis zum geplanten Altersrentenbeginn bezahlen zu können.
Damit der Versicherte Beiträge spart, empfiehlt die uniVersa die Vereinbarung von Karenzzeiten. Das sei in verschiedenen Stufen möglich. Zur Veranschaulichung nennt der Versicherer folgendes Beispiel:
Ein 40-jähriger kaufmännischer Angestellter, der beispielsweise eine Berufsunfähigkeitsrente über 1.000 Euro bis Endalter 65 bei der uniVersa abschließen möchte, kann damit seinen monatlichen Beitragsaufwand je nach Karenzzeit zwischen sieben und 26 Prozent reduzieren. Hochgerechnet spart er sich dadurch bis zu 6.300 Euro an Beiträgen.
Aber Achtung: Bei Eintritt der Berufsunfähigkeit muss die monatliche Absicherung während der Karenzzeit aus eigenen Mitteln bestritten werden, warnt uniVersa.
Die Beiträge zur Berufsunfähigkeitsversicherung brauchen während der Karenzzeit nicht weitergezahlt werden, da die Beitragsfreistellung unabhängig davon ab Eintritt der Berufsunfähigkeit greift.

Doch das von uniVersa gewählte Beispiel ist unglücklich gewählt, so Makler Dr. Schlemann aus Köln: „Ein 40-jähriger Angestellter sollte mehr als 1.000 EUR netto verdienen und unter Berücksichtigung der im BU-Fall erhöhten Altersvorsorgeaufwendungen mindestens sein Nettoeinkommen absichern. Er wird bis 67 arbeiten müssen – 65 ist regelmäßig zu kurz gegriffen. Auch von einem garantierten Inflationsausgleich im Leistungsfall (Leistungsdynamik) kann ich im Beispiel nichts erkennen“, kritisiert er auf procontra-Anfrage.

Schlemann, der sich u.a. auf BU-Vorsorge spezialisiert hat, betont, dass viele BU-Versicherer in den letzten Jahren mit Arbeitsunfähigkeitsregelungen den Leistungsbeginn der BU nach vorne verlegen, um Lücken zwischen Krankengeld bzw. Krankentagegeld und BU-Leistung zu reduzieren. „Karenzzeiten konterkarieren das und verlagern den Leistungszeitpunkt zu Lasten des Versicherten wieder weiter nach hinten“, so Schlemanns Urteil.

In Ausnahmefällen könne sich die Vereinbarung einer Karenzzeit von z.B. 6 Monaten lohnen, um die Beitragsbelastung zu reduzieren. Der Versicherte sollte dann aber bereits größere Rücklagen gebildet haben, auf die er im BU-Fall ohne nennenswerte Verluste zugreifen kann.

„Damit sich eine Karenzzeit einigermaßen „rechnet“, sollte die sich daraus ergebende Beitragsersparnis über die Laufzeit bei einer durchschnittlichen BU Eintrittswahrscheinlichkeit von 20-25% idealerweise ungefähr 20-25% der während der Karenzzeit sonst (unter Berücksichtigung zwischenzeitlicher Beitragsdynamiken) gezahlten BU-Rente ausmachen“, rät Dr. Schlemann. Generell sei die Absicherung der Arbeitskraft aber das falsche Feld zum „Sparen“.

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