Zertifikate-Anleger werden mutiger

Investmentfonds Top News von Stefan Terliesner

Während der Bestand an Papieren mit Kapitalschutz um ein Fünftel einbricht, legen riskantere Anlageprodukte kräftig zu. Derweil droht Bonitätsanleihen ein Vertriebsverbot, wogegen sich der Verband wehrt.

Christian Vollmuth, Geschäftsführer DDV

DDV-Geschäftsführer Vollmuth wehrt sich gegen BaFin-Pläne: „ [...] das Vorgehen der BaFin ist nicht verhältnismäßig. Hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen.“ Bild: DDV

In einem schrumpfenden Markt werden die Käufer von Zertifikaten wieder etwas mutiger – noch mutiger, wenn man bedenkt, dass jedes Zertifikat eine Schuldverschreibung ist und ein Totalverlust droht, sollte der Emittent – in der Regel eine Bank – Pleite gehen. Wie den Statistiken des Deutschen Derivate Verbandes (DDV) zu entnehmen ist, verringerte sich der gesamte Zertifikate-Bestand der 16 Mitgliedsbanken per 30. Juni 2016 im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreshalbjahr um 6,4 Prozent auf 62,5 Milliarden Euro.

Anlageprodukte mehrheitlich ohne Kapitalschutz

Anlageprodukte mit Kapitalschutz kommen per Ende Juni 2016 auf ein Volumen von 26,1 Milliarden Euro, mehr als ein Fünftel weniger als im ersten Halbjahr 2015. Anlageprodukte ohne vollständigen Kapitalschutz dagegen legten in diesem Periodenvergleich um 11 Prozent zu auf 34,9 Milliarden Euro. Das in Hebelprodukte investierte Volumen, also in hochriskante Zertifikate wie Optionsscheine und Knock-Out-Papiere, fiel um rund 22 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro.

Zu den Produkten ohne vollständigen Schutz zählen insbesondere Aktienanleihen, Bonitätsanleihen sowie Bonus-, Express- und Discount-Zertifikate (siehe Grafik).

 

Pikant: Zuletzt, das heißt mindestens im Monat Juni, legten Bonitätsanleihen, für die die Finanzaufsicht BaFin Ende Juli ein Vertriebsverbot auf den Weg gebracht hat, entgegen dem allgemeinen Trend um 0,7 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro zu. Ihr Anteil an den Anlageprodukten ohne vollständigen Kapitalschutz beträgt nunmehr 10,4 Prozent. Noch bis Freitag kann sich die Branche zum drohenden Verbot äußern.

„Vorgehen der BaFin ist nicht verhältnismäßig“

Auf procontra-Anfrage teilte jetzt Christian Vollmuth, Geschäftsführer des DDV, per E-Mail mit: „Der DDV wird am kommenden Freitag als Verband der Kreditwirtschaft, dessen Mitglieder einen erheblichen Teil der Emittenten von Bonitätsanleihen repräsentieren, und der seinen Mitgliedern auch Dokumente für den Vertrieb von Bonitätsanleihen wie Muster für Produktinformationsblätter zur Verfügung stellt, eine Stellungnahme einreichen. Die beabsichtigte Allgemeinverfügung wäre in der vorliegenden Form unseres Erachtens klar rechtswidrig. Weder sind die Voraussetzungen der zugrundeliegenden Rechtsnorm erfüllt, noch ist das Vorgehen der BaFin verhältnismäßig. Hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen.“ Sollte es dennoch dazu kommen, werde der Verband seinen Mitgliedern raten, das Vorgehen der BaFin verwaltungsgerichtlich überprüfen zu lassen. Eine derartige Eskalation würde der DDV aber sehr bedauern.

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