Warum insbesondere Frauen privat vorsorgen sollten

Berater Top News Meistgeklickt von Martin Thaler

Frauen schneiden nicht nur bei der Bezahlung im Beruf schlechter ab als ihre männlichen Kollegen, sondern auch bei der Rente. Hier sind die Unterschiede sogar noch größer, wie neue Zahlen der Hans Böckler Stiftung zeigen.

Frauen beziehen im Alter wesentlich geringere Renten als Männer.

Frauen beziehen im Alter wesentlich geringere Renten als Männer. Foto: Hans Böckler Stiftung

Wenn es um das Thema Rente, insbesondere die private Vorsorge geht, sollten Frauen genau hinhören. Schlechte Nachrichten, was die unterschiedliche Bezahlung im Berufsleben angeht, sind sie ja bereits gewohnt. Nach Zahlen der Hans-Böckler-Stiftung beträgt hier der Lohnrückstand zu ihren männlichen Kollegen konstant 22 Prozent.  

Doch bei einem Blick auf die Renten, fällt der Abstand hier noch wesentlich deutlicher aus. Während Frauen im Jahr 2014 durchschnittlich 618 Euro aus der gesetzlichen Altersrente erhielten, waren es bei Männern 1.037 Euro.  Dies ist ein Unterschied von 40 Prozent.  

Auch bei der betrieblichen Altersvorsorge sind die Zahlen für die Frauen alles andere als positiv. So bezogen 2011 gerade einmal sechs Prozent der weiblichen Ruheständer eine Betriebsrente der Privatwirtschaft – bei ihren männlichen Kollegen lag die Zahl indes bei 25 Prozent. Auch bei den Zahlungen liegen die Frauen weit zurück: So erhielten die Männer mit durchschnittlichen Zahlungen in Höhe von 574 Euro beinahe dreimal so viel wie die Frauen.  

„Frauen sind bei der gesetzlichen Rente als auch bei der betrieblichen Altersvorsorge klar im Nachteil“, heißt es deshalb vom Forschungsteam Internationaler Arbeitsmarkt der Stiftung. Die Gründe sind wohlbekannt: Frauen arbeiteten häufiger in Minijobs oder sind in Teilzeit beschäftigt. Zudem sind sie es meist in der Familie, die Auszeiten für die Kindererziehung oder die Pflege der Eltern oder anderer Angehöriger nehmen. Ausgleichsmechanismen wie die Anrechnung von Erziehungszeiten könnten diese Schieflage nur zum Teil korrigieren.  

Mehr Frauen auf Grundsicherung angewiesen

So ist aufgrund dieses Ungleichgewichts auch die Zahl der Frauen höher, die im Alter auf Grundsicherung angewiesen sind. 2014 waren dies 3,2 Prozent der Frauen über 64 (314.000) – bei den Männern waren indes nur 2,7 Prozent (201.000) betroffen. Für die seit Jahren hier steigende Zahl ist der Analyse zufolge das sinkende Niveau der gesetzlichen Rente ausschlaggebend.  

Nur in einer Hinsicht können auch Frauen profitieren. Aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung beziehen sie im Schnitt fünf Jahre länger Rente. Da viele Frauen zumeist jünger als ihre Ehepartner sind, können sie auch von der Hinterbliebenenrente profitieren. Diese ist für Frauen mit 592 Euro im Schnitt circa doppelt so hoch wie für Witwer.  

Gerade angesichts dieser Zahlen scheint es für Frauen dringend geboten, das Thema private Altersvorsorge verschärft ins Auge zu fassen, um die im Alter entstehenden Versorgungslücken ausfüllen zu können. 

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