„Panikmache in der Lebensversicherung nicht angebracht“

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Jüngst informierte die BaFin über die Eigenkapitaldeckungen der Versicherer nach Solvency II. Warum diese Informationen aber zu öffentlicher Panikmache ausarten können und warum Übergangsregelungen für Lebensversicherer unproblematisch seien, kommentiert für procontra Policen-Direkt-Chefaktuar Henning Kühl.

Hält Übergangsregelungen für Lebensversicherer nicht für problematisch. Henning Kühl, Chefaktuar der Policen Direkt Gruppe.

Hält Übergangsregelungen für Lebensversicherer nicht für problematisch. Henning Kühl, Chefaktuar der Policen Direkt Gruppe. Foto: Policen Direkt

„Man muss sich fragen, welchen Mehrwert das quartalsweise Reporting der Bafin bringt“, sagt Henning Kühl, Chefaktuar der Policen Direkt Gruppe, Marktführer im deutschen Zweitmarkt für Lebensversicherungen. Schließlich könnten Lebensversicherer nicht mal so eben auf Volatilitäten reagieren und ihre Kapitalanlagen kurzfristig umstellen. Die ersten Erkenntnisse der Versicherungsaufsicht Bafin, wie sich die neuen Eigenkapitalvorschriften nach Solvency II auf die Sparten auswirken, mündet erneut fast schon in mediales Läuten der Totenglocke für die Lebensversicherung.

Dass die Versicherungsaufsicht Bafin Ihrer Kontrollfunktion nachkommt, begrüßt der Experte für Lebensversicherung grundsätzlich. Henning Kühl, der jährlich tausende Policen sämtlicher Versicherer auf Herz und Nieren prüft, warnt aber vor öffentlicher Panikmache: „Übergangsregelungen für Lebensversicherer halte ich für nicht problematisch“, kommentiert er die Tatsache, dass 26 von 84 Unternehmen, die Lebensversicherungen anbieten, die neuen Eigenkapitalvorschriften nicht ohne mildernde Umstände erfüllen. „Garantien sind durch Solvency II erheblich teurer geworden“, erklärt der Versicherungsmathematiker.

„Nur mit den Übergangsregeln passen Lebensversicherer in ihrer aktuellen Unternehmensform in das Raster der neuen Regeln.“ Denn an den Garantien der Vergangenheit, die den Kunden dienen, tragen Lebensversicherer jetzt schwer.

Assekurata-Chef Reiner Will stellt klar, dass das systemische Risiko der Lebensversicherer nicht hausgemacht ist. Ein aktueller Report von Fitch bestätigt diese Betrachtung. Durch dauerhaft niedrige Zinsen hätten einige Lebensversicherer in Ihrer aktuellen Ausrichtung größte Schwierigkeiten, langfristigen Verpflichtungen nachzukommen. Laut Analysten leistet hier aber die Zinszusatzreserve, die Versicherer bilden müssen, gute Dienste. Auch Fitch ist überzeugt, dass die deutschen Unternehmen die Garantiezusagen erfüllen können.

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