„Geldpolitik“ wird immer expansiver

Investmentfonds von Stefan Terliesner

Die Zentralbanken in England und Japan weiten ihre unorthodoxe Maßnahmenpakete aus. An einer weiteren Zinserhöhung in den USA mehren sich die Zweifel.

Die Bank of England weitet ihr unorthodoxes Maßnahmenpaket aus.

Die Bank of England weitet ihr unorthodoxes Maßnahmenpaket aus. Foto: Kittykat - fotolia.com

Wer noch immer glaubt, dass an den großen internationalen Kapitalmärkten die Zinsen bald wieder steigen werden, bei dem müssten spätestens jetzt Zweifel aufkommen. Die Bank of England (BoE) hat ihren Leitzins gesenkt, statt, wie von vielen Beobachtern erwartet, erhöht. Der Grund sind plötzlich aufkommende Rezessionsängste infolge des Brexit-Votums. Auch in Japan ist die „Geldpolitik“, die tatsächlich zur Wirtschafts- und Finanzpolitik verkommen ist, noch expansiver geworden. Hierauf weisen in einem Marktbericht jetzt auch die Beobachter von M.M. Warburg hin.

Dort heißt es: Während noch 2015 darüber diskutiert worden sei, wann die BoE der US-Zentralbank in Sachen Zinswende folgen würde, habe sie jetzt eine geldpolitische Wende in die entgegengesetzte Richtung vollzogen. Das zuständige Komitee habe einstimmig beschlossen, den Leitzins erstmals seit März 2009 zu senken: von 0,5 Prozent auf den historischen Tiefststand von 0,25 Prozent. Zusätzlich weite die BoE ihr laufendes Anleihenaufkaufprogramm von 375 Milliarden auf 435 Milliarden Pfund aus und werde zudem Unternehmensanleihen für bis zu 10 Milliarden Pfund erwerben.

Mit diesem umfangreichen Maßnahmenpaket erhofft sich BoE-Governor Mark Carney den Ausführungen der Analysten zufolge die wirtschaftlichen Auswirkungen des Brexits abmildern zu können. Zudem habe er betont, dass er bereit sei, die Geldpolitik noch expansiver zu gestalten.  

Auch die Bank of Japan hat laut M.M. Warburg „ihre Geldpolitik noch weiter gelockert, allerdings weniger stark als von Anlegern erhofft. So wurde zwar das Volumen für den Ankauf von börsengehandelten Indexfonds erhöht, gleichzeitig blieben aber die Zinsen unverändert, und auch das Aufkaufprogramm von Staatsanleihen wurde nicht ausgeweitet. Dies kann als Eingeständnis gewertet werden, dass die Wirkungsweise einer immer expansiveren Geldpolitik an ihre Grenzen gerät.“  

Handlungsspielraum wird kleiner  

Es sei ohnehin fraglich, wohin die Spirale der expansiven Geldpolitik führen wird. Fakt sei, dass für den Fall eines neuen wirtschaftlichen Abschwungs oder gar einer Rezession das geldpolitische Arsenal der meisten großen Zentralbanken kaum noch ausreichend bestückt ist. Die USA seien ein gutes Beispiel dafür, wie schwierig es ist, den Pfad der expansiven Geldpolitik wieder zu verlassen.

Im Oktober 2014 sei das letzte der drei QE-Programme beendet worden und doch habe es noch über ein Jahr gedauert, bis die Fed die Zinsen um 0,25 Prozent erhöhte. Und auch in diesem Jahr sei es der Fed bisher nicht möglich gewesen, den Leitzins weiter zu straffen. „Mehr noch, nach dem Brexit-Votum und den enttäuschenden Wachstumsraten im 1. Halbjahr 2016 hat sich die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die US-Notenbank in diesem Jahr gar keine Zinserhöhung mehr beschließen wird“, so die Meinung der Analysten.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare