Brexit: Frankfurt hängt Konkurrenz ab

Sachwerte von Martin Thaler

Zehntausend Stellen in der Finanzbranche könnten durch den Brexit aus London abwandern, zahlreiche Städte werben um die Banker. Doch Frankfurt hat gegenüber der Konkurrenz die Nase vorn, sagt eine neue Studie des IW Köln.

Machte bei Londons Bankern jüngst Werbung für den Finanzplatz Frankfurt: Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir.

Machte bei Londons Bankern jüngst Werbung für den Finanzplatz Frankfurt: Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir. Foto: Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung (HMWEVL)

Der Brexit zwar beschlossen, doch noch lange nicht umgesetzt. Noch hat die britische Regierungschefin Theresa May Artikel 50 der EU-Verträge, der den Austritt Großbritanniens aus der EU regelt, nicht in Kraft gesetzt. Ob Großbritannien somit auch nach dem EU-Austritt Zugang zum europäischen Binnenmarkt haben wird, bleibt somit weiter Verhandlungssache.  

Dennoch bringen sich zahlreiche andere Städte in Stellung, wenn es darum geht, vom Brexit zu profitieren. Schließlich geht es um geschätzt zehntausend Arbeitsplätze in der Banken- und Finanzbranche, die von London in eine andere europäische Metropole verlagert werden könnten. Die am häufigsten genannten Kandidaten heißen hierbei Luxemburg, Paris, Dublin und Frankfurt am Main.  

Anfang dieser Woche machte sich der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir in die britische Kapitale auf, um dort offensiv die Werbetrommel für die hessische Bankenmetropole zu rühren. Mögliche Absprung-Kandidaten wird er nach seiner Reise nicht benennen können – viele Firmen geben sich zurückhaltend und wollen erst einmal die Verhandlungen zwischen dem Königreich und der EU abwarten.  

Mut machen dürfte Al-Wazir jedoch eine neue Studie des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Diese hatte Frankfurt mit den Konkurrenten aus Frankreich, Irland und Luxemburg verglichen und die Mainmetropole zum potenziellen Sieger erklärt. „Frankfurt überstrahlt sie alle“, heißt es von Seiten der IW-Ökonomen.  

Was für Frankfurt spricht

Für Frankfurt spreche nicht nur, dass die Stadt das „finanzielle Herz der größten Volkswirtschaft Europas und Sitz der Europäischen Zentralbank“ ist, sondern auch die Lebensqualität: der große Flughafen sowie die medizinische Versorgung und Sicherheit auf höchstem internationalem Niveau.  

Ein wesentlicher Punkt ist auch das Angebot an verfügbaren Büroflächen. Hier verfügt Frankfurt mit einem Leerstand von rund 12 Prozent wesentlich mehr freie Kapazitäten als beispielsweise Dublin (8,4 Prozent), Paris (6,8) oder Luxemburg (4,4). Hinzu kommt das günstige Preisniveau. „In Paris sind die Büromieten für hochwertige Immobilien fast 50 Prozent höher als in Frankfurt“, sagt IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer.

Bereits unmittelbar nach der Brexit-Entscheidung der britischen Bevölkerung hatten zahlreiche Experten gemutmaßt, dass durch das Ausscheiden der Briten der bereits bestehende Immobilienboom in Deutschland sich weiter verstärken könnte - vor allem in Frankfurt. 

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