Aktien haben noch Luft nach oben

Investmentfonds von Stefan Terliesner

Markttechnik und niedrige Zinsen sprechen für weitere Kursgewinne, so M. M. Warburg. Insbesondere der DAX sei noch günstig bewertet.

Aktien haben Luft nach oben.

Aktien haben Luft nach oben, so M.M. Warburg Investment. (Symbolbild) Fotolia / janews094

In der vergangenen Börsenwoche jagte – trotzt fehlender konjunktureller Impulse – ein Rekord den nächsten. Der DAX schloss am Donnerstag mit 10.743 Punkten auf Jahreshöchststand, und in den USA konnte mit Börsenschluss sogar ein Dreifach-Rekord gefeiert werden: Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq schlossen seit 1999 zum ersten Mal am selben Tag auf Rekordniveau. Nach Meinung der Analysten von M. M Warburg haben die Aktienmärkte noch Luft nach oben. Neben der Markttechnik sei dafür vor allem das niedrige Zinsniveau verantwortlich.

Zu optimistische Quartalsberichte

Die Analysten haben sich auch die Berichterstattung der Unternehmen angeschaut und festgestellt, zum zweiten Quartal 2016 76 Prozent der Firmen im S&P 500 die Gewinnerwartungen geschlagen haben, während 24 Prozent die Prognosen verfehlt haben. Ähnlich positiv fielen die Ergebnisse bei anderen Indizes aus. Allerdings sei es den Unternehmen in der Vergangenheit immer gelungen, mehrheitlich positiv zu überraschen und zwar in guten wie in schlechten Zeiten.

Hier sei ein wiederkehrendes Muster erkennbar: Gewinnprognosen für Quartale, die noch vergleichsweise weit in der Zukunft liegen, werden nach Meinung der Analysten von M. M. Warburg regelmäßig zu optimistisch angesetzt. Je näher das zu prognostizierende Quartal heranrückt, desto realistischer werden die Prognosen, das heißt in mindestens 90 Prozent der Fälle werden die Gewinnerwartungen dann nach unten revidiert bis sie schlussendlich sogar unter dem "richtigen" Wert liegen. Das Urteil, ob ein Unternehmen positiv oder negativ überrascht, hänge also im Wesentlichen vom Zeitpunkt ab, zu dem man die tatsächlichen Gewinne mit den zuvor erwarteten vergleicht.

Systembedingte Überzeichnung der Ergebnisse

Vergleiche man die erzielten Ergebnisse der S&P 500-Firmen mit den Prognosen der Analysten vom 1. Mai 2016 (1. Januar 2016) so hätten es nur 61 Prozent (43) der Unternehmen geschafft, die zu diesem Zeitpunkt erhobenen Prognosen zu schlagen. Ähnlich falle diese Untersuchung für den DAX aus, schreiben die Analysten in einem Marktbericht.

Sich ausführlich mit den Quartalszahlen zu beschäftigen, habe von daher nur dann einen Mehrwert, wenn man die tatsächlich berichteten Gewinne in Relation zu den früheren Erwartungen setzt. Die Aussage „Berichtssaison verläuft gut“ sei dagegen substanzlos, da dieses Ergebnis quasi systembedingt sei. Daher sei es umso erstaunlicher, dass die sonst so informationseffizienten Kapitalmärkte ungebrochen stark auf Quartalsberichte reagieren.

Unternehmen kaufen Aktien zurück

Dennoch gebe es neben der momentan sehr guten Markttechnik ein wichtiges Argument, das den Börsen weiterhin Flügel verleihen könnte: die niedrigen Zinsen. Da viele Investoren auf der Suche nach attraktiven Anlagealternativen von Anleihen mehr und mehr Abstand nehmen, könnte dies für weitere Kursanstiege sorgen. Zudem ermöglichen die niedrigen Zinsen es den Unternehmen, sich so günstig zu refinanzieren wie nie zuvor, schreiben die Beobachter. Diese Mittel würden mehr und mehr für Aktienrückkaufprogramme verwendet, sodass der Gewinn je Aktien auch in Zeiten mauer Konjunktur zumindest stabil gehalten werden kann. Speziell beim DAX, der noch günstig bewertet sei, besteht von daher noch Luft nach oben.