„Gewerbemakler brauchen spezielle Ausbildung“

Berater Top News Gewerbeversicherung von Sebastian Wilhelm

Gert Meyer ist seit 1990 Versicherungsmakler und hat sich auf gewerbliches Sachgeschäft spezialisiert. Im Interview mit procontra-online berichtet der Berliner über seine Erfahrungen, die aktuelle Lage im Gewerbesegment und die aus seiner Sicht wünschenswerten Voraussetzungen für eine qualifizierte Gewerbeberatung.

Gewerbe: Betriebshaftpflicht

Gewerbe: Betriebshaftpflicht sollte in jedem Betrieb Pflicht sein, findet Gewerbe-Spezialist Gert Meyer. Bild: Fotolia / WavebreakMediaMicro

procontra: Herr Meyer, welcher Weg hat Sie ins Gewerbeversicherungsgeschäft geführt?

Gert Meyer: Im Grunde die Überlegung, dass der Konkurrenzdruck im Gewerbegeschäft im alten Jahrtausend deutlich geringer war und meine Kollegen lieber das Geschäft mit der Altersvorsorge oder der privaten Krankenversicherung gesucht haben. Ich finde – ich bitte um Entschuldigung – das Gewerbegeschäft auch deutlich spannender als das eingeschränkte Privatkundengeschäft. Die Zusammenarbeit mit Gewerbetreibenden macht mehr Spaß, da die Akzeptanz als fachkundiger Ansprechpartner deutlich höher ist als im Privatkundensegment. Last, but not least ist der mögliche Ertrag im Gewerbesegment nicht so limitiert wie im Privatkundensegment.

procontra: Wie würden Sie die heutigen Marktchancen in dem Segment beurteilen?

Meyer: Sehr, sehr gut für qualifizierte Kollegen, die Risikomanagement und den Versicherungsmarkt kennen und zu bewerten verstehen und das auch kundenorientiert umsetzen können. Durch das „Einbrechen des Personenversicherungsmarktes“ drängen leider viele Kollegen in den Markt, die nicht so fachkundig sind, was gefährlich für den Kunden und für die Maklerhaftung ist. Um mich unbeliebt zu machen, plädiere ich für eine Ausbildung als Versicherungsfachmann für gewerbliches Sachgeschäft. Man muss sich vorstellen, dass auf die Gewerbekunden Versicherungsvermittler zugehen, die im Grunde nur eine Ausbildung für Privatkunden haben.

procontra: Was würden Sie Maklern raten, die in die Vermittlung von Gewerbeversicherungen einsteigen möchten, vor allem in puncto Kundenakquise?

Meyer: Neben dem Erwerb von Fachwissen ist am Markt in puncto Akquise sicherlich Leadkauf verbreitet, aber hier ist der Dienstleister gefragt, es gibt massenhaft Betriebe, die nicht betreut werden und dringend einer Neuordnung und Überprüfung ihrer Situation und ihrer Verträge bedürfen. Ich halte es auch für angemessen, sich von dem Bild des Versicherungsvermittlers zu lösen und eher die Position des Unternehmensberaters mit dem Schwerpunkt Versicherungen einzunehmen.

procontra: Auf welche typischen Vorbehalte bzw. Abwehrargumente stoßen Sie bei den Kunden?

Meyer: Der Klassiker ist: „Brauche ich nicht“ und/oder „Habe ich ja noch nie gehört“. Aber mit der fachlichen Kenntnis der gesetzlichen und behördlichen Auflagen sowie des Risikos des Unternehmers und wenn man sich mit dem individuellen Risiko des Gewerbetreibenden auseinandersetzt, ist vieles möglich.

procontra: In welchen Gewerbesparten ist aktuell am meisten „Musik drin“?

Meyer: Eigentlich gibt es keine langweiligen Bereiche, eher nicht beratene! Es gibt je nach Branchen sicher Schwerpunkte, aber unabdingbar ist sicherlich immer eine Betriebshaftpflichtversicherung mit den Bereichen Umwelt- und Produkthaftung, eine Kautionsversicherung mit Debitorenmanagement, der Bereich der technischen Versicherungen usw. Es wird niemals langweilig und der Optionen gibt es viele – jede Firma für sich hat ihre spannenden individuellen Bereiche.

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