Check24-Prozess: "Sieg für den Verbraucherschutz"

Top News Berater von Martin Thaler

Das Vergleichsportal Check24 muss seine Kunden besser darauf hinweisen, dass es selbst als Makler agiert. Dies entschied das Münchener Landgericht. Dennoch zeigen sich beide Seiten zufrieden.

Urteil: Das Vergleichsportal Check24 muss in Zukunft seine Kunden besser darauf hinweisen, dass es selbst als Versicherungsmakler agiert.

Urteil: Das Vergleichsportal Check24 muss in Zukunft seine Kunden besser darauf hinweisen, dass es selbst als Versicherungsmakler agiert. Foto: Screenshot TV-Werbespot Check24

Mehr Transparenz für seine Nutzer: Hierzu hat das Landgericht München unter der Vorsitzenden Richterin Barbara Clementi das Preisvergleichsportal Check24 verordnet. Dies berichtet die Nachrichtenagentur dpa. So müssen die Kunden des Münchener Unternehmens in Zukunft besser darüber informiert werden, dass Check24 selbst als Versicherungsmakler agiert und Provisionen kassiert. So reiche es laut Gericht nicht, dass das Unternehmen die sogenannte Erstinformation lediglich in der Fußzeile der Webseite platziere.

Klargestellt wurde vom Gericht darüber hinaus, dass auch für Online-Makler die gesetzlichen Beratungspflichten gemäß § 61 VVG gelten. Eine Beratung könne auch im Internet stattfinden. Check24 hatte eine Gleichstellung mit Direktversicherern gefordert. "Wir als BVK sind der Ansicht, dass alle Vertriebswege gleich behandelt werden sollen, schließlich geht es um das Wohl der Verbraucher. Auch das Gesetz unterscheidet bei Beratungspflichten nicht zwischen Online- und Offline-Versicherungsvermittlern. Das Gericht bestätigt auch, dass Check24 seine Beratungspflichten verletzt", kommentierte Michael H. Heinz, Präsident des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) das Urteil und nannte es einen „Sieg für den Verbraucherschutz“.

Allerdings entsprach das Münchener Gericht nicht allen Forderungen des BVK. So wertete das Gericht die vom BVK geforderten Vorgaben für die Online-Beratung als so scharf, dass das Internet-Geschäft mit Versicherungen bei einem vollständigen Sieg sehr erschwert worden wäre. Das Gericht stimmte nur drei sogenannten Nebenanträgen zu und entschied, dass Check24 bei der Vermittlung von KfZ-, Hausrat- oder Haftpflichtversicherungen in einzelnen Punkten besser informieren muss.

So wertete auch Check24-Geschäftsführer Christoph Röttele das Urteil nicht als komplette Niederlage: „Wir können mit dem Urteil leben“, erklärte er. So habe das Gericht nicht den Inhalt oder den Zeitpunkt der Erstinformation bemängelt, sondern nur auf "Nachbesserungsbedarf bei der Präsentation" bestanden, erklärte das Unternehmen in einer Pressemitteilung. Das Vergleichsportal sah sein Geschäftsmodell durch das Urteil bestätigt und die Hauptangriffspunkte des BVK weitgehend entkräftet.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Sowohl Check24 als auch der BVK wollen in den kommenden Wochen prüfen, ob sie Berufung gegen das Urteil einlegen wollen. 

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