Bauboom zum Trotz - Wohneigentumsquote stagniert

Sachwerte von Martin Morgenstern

Die Bedingungen sind günstig, die Zahl der Baugenehmigungen steigt auch: Doch an der Wohneigentumsquote ändert sich wenig. Woran das liegen, zeigt eine neue Studie.

Deutschland bleibt im europäischen Vergleich beim Thema Wohneigentumsquote weiter Schlusslicht.

Deutschland bleibt im europäischen Vergleich beim Thema Wohneigentumsquote weiter Schlusslicht. Foto: LBS Research

Trotz guter Beschäftigungslage und einem Dauerniedrigzins stagniert die Wohneigentumsquote in Deutschland seit über einem Jahrzehnt bei 43 Prozent. „Versingelung“, „Landflucht“ und steigende Immobilienpreise verhindern den Erwerb der eigenen vier Wände.  

Zu diesem Schluss kommt eine durchgeführte Sonderauswertung der Einkommens- und Verbraucherstichprobe (EVS) des statistischen Bundesamtes durch das Immobilienforschungsinstitut empirica in Zusammenarbeit mit LBS Research. Demnach fiel der Anteil der Eigenheimbewohner in den alten Bundesländern in den letzten fünf Jahren von 46,8 auf 46,3 Prozent. Diesen Trend mag auch die leicht ansteigende Quote im Osten Deutschlands nicht aufzuhübschen. Hier stieg die Quote der Selbstnutzer zwar noch von 34,8 auf 36,4 Prozent, die rasante Entwicklung, die noch in den Jahren nach der Wiedervereinigung zu beobachten war, scheint ihren Zenit aber wohl überschritten zu haben.  

Dabei machen die Forscher die stetig zunehmende „Versingelung“ und sinkende Bereitschaft zur Familienbildung der für Eigentumsbildung entscheidenden Alterskohorte der 40- bis 49-Jährigen als Hauptursache für den insgesamt negativen Trend aus. Zu den vermehrt zur Miete wohnenden Ein-Personen-Haushalten kommt, laut LBS-Studie, noch die seit Jahren zu beobachtende „Landflucht“ als hemmender Faktor hinzu. „Neu-Städter“ werden hier meist aufgrund des mangelnden Angebots und der höheren Preise vom Erwerb der eigenen vier Wände abgeschreckt. 

Deutschland habe es nicht geschafft, sich in Richtung „Eigentümer-Republik“ zu entwickeln und bleibe im europäischen Vergleich weiter Schlusslicht, so die Forscher. Was also ist zu tun?   Insbesondere dort, wo eine hohe Nachfrage nach Wohnraum besteht, gelte es das Wohnungsangebot spürbar zu erhöhen – sowohl für Familien, als aber auch für Singles und kinderlose Paare, so LBS-Research.  

Hohe Hürden für Geringverdiener

Die wachsende Zahl der Baugenehmigungen in vergangener Zeit deute zwar den „richtigen Weg“ an, sei indes noch keine Garantie für eine Verbesserung bei der Wohneigentumsquote. Denn der Wohnungsmarkt werde derzeit, bedingt durch das niedrige Zinsniveau und fehlende Anlagealternativen, dominiert von Kapitalanlegern aus dem In- und Ausland.  

Die Folge seien weiter steigende Kauf- und Mietpreise, so dass „Normalverdiener“ weiterhin vor Problemen bei der Erlangung von Wohneigentum stünden – insbesondere in größeren Städten. Auch das Deutsche Institut für Wirtschaft Köln hatte jüngst angemahnt, dass insbesondere für einkommensschwache Menschen zu hohe Hürden bestehen würden.  

Um diese Probleme abzumildern, hatten die Wirtschaftsforscher aus Köln Vorschläge an die Politik formuliert. So könnten diese Haushalte beispielsweise bei der Grunderwerbssteuer entlastet werden. 

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Platz 5: München
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