BaFin will Bonitätsanleihen verbieten

Investmentfonds von Stefan Terliesner

Die Finanzaufsicht kritisiert die komplexe Produktgestaltung sowie die irreführende Bezeichnung. Im Beratungsgespräch werde Privatanlegern die Funktionsweise nicht erklärt.

Die Bafin unter ihrem Chef Felix Hufeld (Bild) will Bonitätsanleihen verbieten. Foto: Bafin

Die Bafin unter ihrem Chef Felix Hufeld (Bild) will Bonitätsanleihen verbieten. Foto: Bafin

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) plant, den Retail-Vertrieb von Zertifikaten zu verbieten, die sich auf Bonitätsrisiken von Referenzunternehmen beziehen. „Strukturierte Produkte, die sich auf Kreditrisiken beziehen, können für institutionelle Investoren eine sinnvolle Anlagealternative sein. In die Hände von Privatkunden gehören sie aus unserer Sicht aber nicht“, begründet Exekutivdirektorin Elisabeth Roegele in einer Pressemitteilung den Schritt. Und sie ergänzt: „Weil der Zertifikatemarkt in Deutschland einen hohen Stellenwert hat, dessen Ruf und Glaubwürdigkeit von zentraler Bedeutung sind, müssen wir bei einzelnen Produkten intervenieren.“ Die BaFin hatte ihre Bedenken bereits im März geäußert .  Nachdem die Aufsicht jetzt ein Verbot in Erwägung gezogen hat, haben die Betroffenen Gelegenheit zur Stellungnahme. Erst nach Ablauf der Anhörungsfrist entscheidet die BaFin darüber, "ob und wie das geplante Produktverbot erlassen wird", teilte ein Sprecher der Behörde auf Anfrage mit. 

Mit Blick auf den Anlegerschutz missfällt der Aufsicht vor allem die Komplexität der Produkte. Bei Bonitätsanleihen seien Kreditrisiken von Referenzunternehmen ausschlaggebend für Verzinsung und Rückzahlung des investierten Geldbetrags. Von besonderer Relevanz sei dabei, ob ein Kreditereignis in Bezug auf die zugrundeliegende Referenzverbindlichkeit eintreten wird. Privatkunden könnten dies in der Regel nicht bewerten. Für sie sei nicht erkennbar, wie groß die Wahrscheinlichkeit für die Rückzahlung des Anlagebetrags ist und ob die Übernahme des Kreditrisikos durch die Höhe des Zinsversprechens adäquat vergütet wird.  

Als problematisch sieht die BaFin auch das in der Produktstruktur angelegte Risiko eines Interessenkonflikts an. Emittenten seien einerseits Produzenten der Bonitätsanleihen, die an Privatkunden abgesetzt werden. Andererseits unterhalten sie auch Geschäftsbeziehungen zu den Unternehmen, deren Bonitätsrisiken sie in ihren Produkten zugrunde legen, und treten etwa selbst als Kreditgeber auf, schreibt die Behörde.  

Name ist irreführend  

Auch die Produktbezeichnung „Bonitätsanleihe“ sei irreführend. Anders als der Name nahelegt, handele es sich nicht um Anleihen im klassischen Sinne. Der Anleger sei bei wirtschaftlicher Betrachtung nämlich gerade nicht (Anleihe-)Darlehensgeber, sondern übernimmt nach Ansicht der BaFin die Rolle eines Versicherungsgebers und damit das Risiko des Kreditereignisses. Diese „Rollenverwirrung“ lasse Bonitätsanleihen fälschlicherweise als Zinspapiere erscheinen.  

Die Emittenten würden Bonitätsanleihen gezielt für den Absatz an Privatkunden produzieren. Die Auswertung der Beratungsdokumentation macht deutlich, dass diesen Kunden die Funktionsweise der Produkte in der Regel nicht adäquat erklärt wird, kritisiert die BaFin das Verhalten der Berater. Mit dem Verbot mache die Aufsicht von ihrer Möglichkeit zur Produktintervention Gebrauch. Das Kleinanlegerschutzgesetz macht dies möglich. Seit Juli 2015 kann die BaFin die Vermarktung, den Vertrieb und den Verkauf bestimmter Finanzprodukte beschränken oder verbieten, etwa um Anleger zu schützen (§ 4b Wertpapierhandelsgesetz).

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