PKV: Lähmende Angst vor steigenden Beiträgen

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In der Kranken-Vollversicherung werden mehr Ab- als Zugänge verzeichnet. Der Rechnungszins dürfte für den Großteil der Anbieter auf 2 Prozent sinken. Immerhin: Bei Zusatzpolicen zeichnet sich ein positiver Trend ab.

Vierte Rückgang in Folge: Zahl der Vollversicherten sinkt

Vierte Rückgang in Folge: Zahl der Vollversicherten sinkt Fotolia / Photographee.eu

Trotz Finanzkrise und abgesenkter Rechnungszinsen in der Privaten Krankenversicherung (PKV) blieb die Beitragssituation für viele Vollversicherte auch 2016 relativ entspannt. Dies zeigt laut Pressetext die Entwicklung bei den von Assekurata eingestuften Krankenversicherern (Assekurata-Durchschnitt). Die zuletzt geringen Beitragserhöhungen in der Vollversicherung werden aber nach Ansicht der Ratingagentur kein Dauerzustand bleiben. Die Angst vor steigenden Beiträgen verunsichere Kunden und Vermittler beim Neuabschluss. Auch in der Pflegeversicherung sei aufgrund des zweiten Pflegestärkungsgesetzes und möglicher Rechnungszinsabsenkungen mit Beitragserhöhungen zu rechnen.

47.100 weniger Vollversicherte

Wie dem Pressetext weiter zu entnehmen ist, sank die Zahl der Vollversicherten 2015 um 47.100 bzw. minus 0,53 Prozent; dies ist der vierte Rückgang in Folge. Hauptgrund hierfür sei der rückläufige Zugang aus der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), welcher sich von 2009 bis 2014 mehr als halbiert habe. „Der negative Trend in Form von Bestandsverlusten in der Vollversicherung dürfte sich auch 2016 nicht umkehren“, sagt laut Pressetext Gerhard Reichl, der Autor der Untersuchung. „Wachstum ist in der Vollversicherung somit weiterhin nicht in Sicht. Zu groß scheinen im Zuge der Niedrigzinsen die Verunsicherung und die Angst vor der Unbezahlbarkeit der PKV-Beiträge im Alter auf Seiten der potenziellen Kunden aber auch der Vermittler zu sein.“

Ein 70-Jähriger zahlt im Schnitt 420 Euro

Bei den von Assekurata eingestuften Krankenversicherern lägen die Beiträge im Durchschnitt der über 70-jährigen PKV-Versicherten in den Nicht-Beihilfe-Tarifen mit rund 420 Euro bei den Männern und 460 Euro bei den Frauen auf einem „angemessenen Niveau“, meint Reichl. Der Assekurata-Durchschnitt decke dabei nach vollversicherten Personen rund 60 Prozent des Marktes ab. Für ältere PKV-Versicherte, die ihre Versicherung vor 2009 abgeschlossen haben und Schwierigkeiten haben, ihre Beiträge zu bezahlen, existiere mit dem Standardtarif „eine wirksame Alternative“. Hier liege der Beitrag nach Angaben des PKV-Verbandes für Nicht-Beihilfeberechtigte im Durchschnitt bei 280 Euro.

Beiträge steigen 2016 um 3,1 Prozent

Wie die Agentur weiter mitteilt, verteuerten sich 2016 die Tarife für Beihilfeversicherte im Assekurata-Durchschnitt um 0,5 Prozent und für Normalversicherte um 3,1 Prozent. Generell sei der aktuarielle Unternehmenszins (AUZ) und damit der Rechnungszins marktweit im Sinken begriffen. Von 2011 bis 2016 habe sich der AUZ im Assekurata-Durchschnitt um 0,9 Prozentpunkte auf voraussichtlich 3,01 Prozent verringert. „Kurz- bis mittelfristig scheint damit ein Rechnungszins von 2,0 Prozent für den Großteil der PKV-Unternehmen durchaus realistisch, was aber mit Beitragsanpassungen einhergeht“, wird Reichl im Pressetext zitiert.

In der Zusatzversicherung verbuchte die PKV im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Plus von 1,7 Prozent auf 24,77 Millionen, berichtet Assekurata unter Verweis auf Verbandsangaben. Bereits 2014 sei die Anzahl der Versicherten mit Zusatzschutz um 1,9 Prozent gestiegen.

Rechnungszins sinkt, Beiträge steigen

In der Pflegeversicherung macht sich laut Assekurata ein niedrigerer Rechnungszins und damit Druck in Richtung steigender Beiträge besonders bemerkbar, wie das folgende Berechnungsbeispiel zeige: So müsste ein 30-Jähriger bei einer Absenkung des Rechnungszinses von 2,75 Prozent auf 2,00 Prozent bei einem Neuabschluss für den gleichen Tarif fast 30 Prozent mehr bezahlen als heute. Wenngleich der Beitragsunterschied in unserem Beispieltarif nur bei 9 Euro im Monat liegt, addiert sich jedoch über die gesamte Vertragslaufzeit von 50 Jahren und mehr die Mehrbelastung auf mehrere Tausend Euro.

Neben der drohenden Rechnungszinsabsenkung sorge allein schon das zweite Pflegestärkungsgesetz dafür, dass die Beiträge 2017 sowohl in der privaten Pflegeplicht- als auch in der Pflegeergänzungsversicherung steigen werden. „Dies gilt auch für Alttarife, die mittels eines Sonderanpassungsrechtes an die Gesetzesänderung angepasst werden“, erklärt Gerhard Reichl.

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