Pensionskasse der Banken kürzt die Renten

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Infolge des Dauerzinstiefs sollen zukünftige Rentenleistungen gekürzt werden. Die Mitglieder entscheiden über eine Absenkung um 24 Prozent. Startschuss für branchenweite Kürzungsrunde?

Pensionskasse kürzt Renten

Pensionskasse kürzt Renten. Auftakt zur branchenweiten Kürzungsrunde? Fotolia/ M. Schuppich

Jetzt ist es soweit. Die Pensionskasse BVV Versicherungsverein des Bankgewerbes will die zukünftigen Rentenleistungen der Versicherten um 24 Prozent kürzen. Dies ist der Tagesordnung für die Mitgliederversammlung am 24. Juni in Berlin zu entnehmen. Stimmt die Versammlung aus Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern dem Vorhaben mit mindestens Drei-Viertel-Mehrheit zu, tritt die Maßnahme mit Wirkung vom 1. Januar 2017 in Kraft. Zuvor erworbene Rentenansprüche sind nicht betroffen. Gemessen am verwalteten Vermögen ist der BVV eigenen Angaben zufolge die größte Pensionskasse Deutschlands. Rund 760 Mitgliedsunternehmen, also Banken, Kapitalverwalter und andere Finanzdienstleister, vereinen mehr als 350.000 Versicherte.

Nettoverzinsung sinkt auf 3,4 Prozent

Die Kürzung sei Folge des „bislang nicht gekannten außerordentlich niedrigen Zinsniveaus“, erläutert der BVV den brisanten Tagesordnungspunkt auf seiner Homepage. Dem Jahresbericht 2015 ist zu entnehmen, dass die Nettoverzinsung auf 3,4 Prozent gesunken ist, nach 3,8 Prozent im Vorjahr. Zur Jahrtausendwende lag dieser Satz noch bei 6,5 Prozent. Der Gesamtüberschuss brach 2015 von 184 Millionen Euro im Vorjahr auf 61 Millionen Euro ein. „In dem aktuellen Umfeld (…) bleibt es schwierig, die Zielrenditen des BVV auch zukünftig Jahr für Jahr zu erreichen. Erschwerend wirkt der hohe Rechnungszins der Vergangenheit für die lebenslangen Renten noch bis weit in die Zukunft“, teilt der Vorstand im Jahresbericht mit.

BaFin warnt

Die jetzt geplanten Änderungen für die Versicherten betreffen Verträge, die vor dem 31. Dezember 2004 geschlossen wurden. Jüngere Verträge haben bereits niedrigere Rechnungszinssätze und werden nicht geändert. Nach Angaben des BVV fließen rund zwei Drittel der jährlichen Beiträge in Tarife mit einem kalkulatorischen Rechnungszins von 4 Prozent. Für diese Tarife sollen die aus zukünftigen Beiträgen resultierenden Zinsverpflichtungen reduziert werden. Die vorgeschlagene Maßnahme senke die zukünftigen Zinsanforderungen. Auch die BaFin schätze die Maßnahme als angemessen und geeignet ein, berichtet die Pensionskasse. Erst Anfang Mai hatte die Finanzaufsicht BaFin davor gewarnt, dass die Pensionskassen schon bald ernste Probleme bekommen. Insofern dürfte die Kürzung der Leistungen des BVV erst der Anfang sein; weitere Einrichtungen dürften folgen. Durch einen zusätzlichen Beitrag können die Mitgliedsunternehmen und/oder Mitgliedsangestellten die Leistungskürzung ausgleichen.

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