Lloyd`s stellt Notfallpläne auf

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Bleiben oder gehen sie? Am Donnerstag stimmen die Briten über die zukünftigen Beziehungen zur EU ab – die Versicherungswirtschaft wappnet sich bereits.

Dr. Klaus Wiener

Dr. Klaus Wiener / GDV

Am Donnerstag, den 23. Juni, entscheidet sich, wie die Briten ihre Zusammenarbeit mit der EU gestalten wollen. Der britische Premierminister David Cameron sieht in einem möglichen Austritt eine „hausgemachte Rezession“.

Er stützt sich dabei im Wesentlichen auf eine von seiner Regierung beauftragte Studie, die von zwei Szenarien ausgeht. Beide Modelle gehen von einem wirtschaftlichen Schock für das Inselreich aus. Unterschiede bestehen beispielsweise bei der Höhe der erwarteten Arbeitsplatzverluste (zwischen 500.000 und 800.000).

Lloyd`s stellt Notfallpläne auf

Dass auf dem Londoner Versicherungsmarkt Lloyd`s Notfallpläne entwickelt und Risiko-Modelle durchdacht werden, ist nichts Neues. Dass es sich diesmal um die eigene Branche handelt, schon. Man will (und muss) für den möglichen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) gewappnet sein. Ein Austritt könnte die Branche schwer treffen. Lloyd`s Verwaltungsratschef John Nelson gegenüber dem Handelsblatt: „Etwa 90 Prozent unseres Geschäfts und Kapitals kommt von außerhalb Großbritanniens - wir werden an Attraktivität als Markt, in dem man investiert, einbüßen, wenn das Land nicht mehr Teil der EU ist.“

Deutsche Versicherer auch betroffen

Im Falle eines Brexit wird die Unsicherheit an den Märkten insgesamt steigen, erwartet Dr. Klaus Wiener, Chefvolkswirt des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft. Er erwartet folgende Effekte:

  • Risikoprämien festverzinslicher Wertpapiere in GB steigen
  • Abwertungsdruck auf das britische Pfund
  • Druck auf britische Aktien steigt

Betroffen wären auch deutsche Erstversicherer. Denn die sind mit zirka drei Prozent der gesamten Kapitalanlagen in GB investiert: in erster Linie Rentenpapiere, die etwa 85 Prozent dieses Portfolios ausmachen, so Wiener. Mit Blick auf Solvency II stellt er klar: „Wir brauchen ein Europa mit einheitlichen Wettbewerbsbedingungen“

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