„Sichere Altersvorsorge immer schwieriger“

Versicherungen Top News von Christian Hilmes

Deutschland belegt bei der finanziellen Absicherung und Lebensqualität von Rentnern laut einer aktuellen Studie erneut einen Platz unter den Top-10 von 150 befragten Länder. Doch die schwächere Wirtschaft sowie sinkende Realzinsen belasten Rentner und Sparer.

Der Pariser Vermögensverwalter Natixis Global Asset Management (NGAM) hat die Ergebnisse seiner globalen Studie in Form des „Global Retirement Index“ veröffentlicht. Untersucht wurden die jeweiligen Standards der finanziellen Alterssicherung und die allgemeinen Rahmenbedingungen für Ruheständler in 150 Ländern. Dabei wurden die jeweils 20 wichtigsten Trends in den folgenden vier Kategorien genauer untersucht: Gesundheit und Qualität der medizinischen Betreuung, persönliches Einkommen und Finanzen, Lebensqualität sowie sozioökonomische Faktoren.

Ein wichtiges Ergebnis für Deutschland: „Die anhaltende Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hat negative Auswirkungen auf die Vermögen von Sparern und zukünftigen Ruheständlern“, erklärt Jörg Knaf (Foto rechts), Executive Managing Director von NGAM im deutschsprachigen Raum. „Allerdings ist die sich inzwischen wieder verbessernde staatliche Finanzlage, einschließlich eines Haushaltsüberschusses für 2014 und eines ausgeglichenen Haushalts für 2015, ein gutes Zeichen.“

Versicherer warnen vor EZB-Politik
Auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) resümiert aktuell als Folge der expansiven Geldpolitik: „Sparer werden bestraft.“ Denn ob es der EZB damit gelingen wird, die Wirtschaft in der Euro-Zone anzukurbeln, sei völlig ungewiss. Das habe in den vergangenen Jahrzehnten das Beispiel Japan gezeigt. Die Verlierer stünden dagegen schon fest: „Es sind die Altersvorsorgesparer, deren Anstrengungen untergraben werden.“

„Eine Senkung des durchschnittlichen Zinsniveaus um einen Prozentpunkt bedeutet, dass ein Bürger 15 Prozent mehr aufwenden muss, um seine Altersvorsorge stabil zu halten“, erklärt GDV-Präsident Alexander Erdland. Grund dafür sei der sich abschwächende Zinseszinseffekt: In Zeiten niedriger Renditen verliere der für den langfristigen Vermögensaufbau wichtige Hebel deutlich an Kraft.

Kosten der Altersvorsorge steigen
Olaf Stotz, Professor für Asset Management an der Frankfurt School of Finance, hat errechnet, wie sehr der Niedrigzins die Kosten der Altersvorsorge in den vergangenen Jahren in die Höhe getrieben hat. Demnach musste ein 35-jähriger Durchschnittsdeutscher im Jahr 2007 mit einer Lebenserwartung von 79 Jahren monatlich noch 168 Euro beiseitelegen, um im Alter seinen Lebensstandard halten zu können. Im vorigen Jahr waren dafür schon 360 Euro im Monat nötig. Damit sind die Kosten seit 2008 jährlich um 13,5 Prozent gestiegen.

Die höheren Sparraten aufzubringen, fällt den Verbrauchern jedoch immer schwerer. Vielen fehlt ohnehin der finanzielle Spielraum und gleichzeitig werden die Menschen zum Konsum geradezu verführt. Laut Stotz sorgen die niedrigen Zinsen für zwei gegenläufige Effekte: Zwar steigt einerseits die Versorgungslücke, zugleich werden aber auch Bankkredite günstiger, was die Verbraucher wiederum dazu verleitet, mehr auszugeben. Das schließlich bezweckt die EZB, die sich von den niedrigen Zinsen auch eine Ankurbelung des privaten Konsums erhofft.

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