GLS Bank führt Jahresbeitrag für Kunden ein

Berater von Stefan Terliesner

Regulierung und Negativzinsen machen den kleinen Banken das Leben schwer. Nun führt das erste Institut einen Jahresbeitrag ein. Folgen weitere?

GLS Bank

Will wegen der Negativzinsen Gebühren einführen: die GLS Bank / procontra, Martin Morgenstern

Als erstes Kreditinstitut in Deutschland will die GLS Bank ab 2017 einen Jahresbeitrag für ihre Kunden und Mitglieder einführen. Wie ein Sprecher gegenüber procontra-online.de auf Anfrage bestätigte, ist ein Entgelt in Höhe von 60 Euro geplant. Für Personen unter 18 Jahren bleiben die Leistungen der Bank kostenlos. Studenten und Auszubildende bis Ende 27 Jahre zahlen 12 Euro pro Jahr bzw. 1 Euro pro Monat. Mit Blick auf Regulierung und Negativzinspolitik sei eine neue Art der Bankfinanzierung notwendig, hieße es bei der genossenschaftlichen GLS Bank in Bochum.

Mitglieder müssen noch zustimmen

Auch die Kontoführungsgebühren sollen angehoben werden. Das private Girokonto soll zukünftig monatlich 3,80 Euro statt bislang 2 Euro kosten. Firmenkunden sollen mit 8 Euro im Monat zahlen – ein Aufschlag von 60 Prozent. Im Gegenzug soll der Dispositionskredit in Anlehnung an die Zinsen für Tagesgeld mit 0 Prozent verzinst werden. Wer sein Konto bis zu der Obergrenze von 10.000 überzieht, muss dafür in Zukunft nichts bezahlen. Das neue Beitrags- und Gebührenmodell soll auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung Ende des Jahres beschlossen werden. Notwendig sei eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Der Sprecher geht fest davon aus, die die geplanten Maßnahmen genehmigt werden und die Satzung entsprechend geändert werden kann.

Branche beobachtet

Seit langem klagen kleine und mittlere Kreditinstitute und ihre Verbände über ein Übermaß an Regulierung. Vor allem aber setzt die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) den Geldhäusern zu. Die Notenbank hat den Zins quasi ausradiert und gefährdet daher das Geschäftsmodell traditioneller Banken. Etliche Kreditinstitute erhöhen daher an der einen oder anderen Stelle ihre Gebühren. Nicht immer geschieht dies für die Kunden leicht nachvollziehbar. Die Einführung eines Jahresbeitrags wäre eine neue Dimension. Die GLS Bank hat rund 200.000 Kunden und ist eigenen Angaben zufolge „die weltweit erste Bank für sozial-ökologische Geldanlage und zur Finanzierung nachhaltiger Unternehmen und Projekte“. Jetzt wäre sie die erste Bank mit einer Art „Vereinsbeitrag“. Die Branche dürfte das Finanzierungsmodell sehr aufmerksam verfolgen und gegebenenfalls kopieren.

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