Dauerzinstief wird endgültig zum Normalzustand

Investmentfonds von Stefan Terliesner

Für Zinssparer bleiben die Zeiten schlecht. Während die US-Notenbank langfristig einen Leitzins von 3,3 Prozent voraussagt, erwarten die Märkte selbst Ende 2019 noch ein Niveau von unter 1 Prozent.

Wall Street

Wall Street und FED: sie stehen für den Einfluss auf die US-Geldpolitik. Fotolia / robert cicchetti

Die Prognosen der US-Notenbank Federal Reserve („Fed“) sind für die Märkte mittlerweile ein entscheidender Faktor, da die Zentralbanken seit der Finanzkrise von 2008 einen großen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung genommen haben. Allerdings liegen die Erwartungen der Fed auf der einen Seite und der Märkte auf der anderen Seite deutlich auseinander.

US-Leitzins Ende 2016 bei 1 Prozent

Dies schreiben die Analysten von J.P. Morgan in einem aktuellen Marktbericht und nennen auch konkrete Zahlen. Demnach sagt der Offenmarktausschuss (Federal Open Market Committee, FOMC), in dem insgesamt 12 Mitglieder des amerikanischen Zentralbanksystems über die Geldpolitik der USA entscheiden, bis Ende des Jahres eine Fed Fund Rate („Leitzins“) von weniger als 1 Prozent voraus. Aktuell liegt der Leitzins bei 0,25 bis 0,5 Prozent. Bis Ende 2017 steige die Rate dann auf 1,6 Prozent und wiederum ein Jahr später auf 2,4 Prozent, so die Median-Voraussage der FOMC-Mitglieder.

Rekordtief erreicht

Nach Meinung der Analysten von J.P. Morgan hat der Mittelwert der Fed-Prognosen zur langfristigen Fed Funds Rate inzwischen ein Rekordtief erreicht, nachdem die Vorhersagen vom März nochmals um 0,25 Prozent gesenkt wurden (siehe Grafik).

Der FOMC erwartet langfristig, also ab dem Jahr 2019, einen Leitzins von 3,0 Prozent. Dazu die Analysten: „Es scheint, als betrachte die Fed eine niedrigere Inflation, niedrigere Wachstumsraten und somit auch niedrigere Leitzinsen zunehmend als neuen Normalzustand.“ Die Investoren indes würden für längere Zeit mit einem noch niedrigeren Zinsniveau rechnen, da die Märkte davon ausgingen, dass die Zinsen Ende 2019 nach wie vor unter der Marke von 1 Prozent liegen werden.

Die Differenz zwischen Fed-Prognose und Markterwartungen ist frappierend. Ganz offensichtlich gehen die Marktteilnehmer noch sehr lange Zeit von einem sehr niedrigen Zinsniveau aus. Vermutlich wird die der Offenmarktausschuss der US-Notenbank seine Erwartungen noch öfter nach unten korrigieren. Aufgrund des internationalen Zinszusammenhangs werden allein aus diesem Grund auch in der Eurozone die Zinsen noch lange bei nahe Null verharren. Für Zinssparer und Inhaber von zum Beispiel klassischen Lebensversicherungen sind das keine guten Nachrichten.

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