BU: Wie hoch ist die Leistungsquote?

Berufsunfähigkeit von Michael Fiedler

Ein häufiger Einwand gegen den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist die Annahme, der Versicherer werde versuchen, sich im Fall der Fälle seiner Zahlungspflicht zu entziehen. Ist das so?

Immer wieder ist davon zu lesen, dass Versicherer Anerkenntnis-Verfahren im Bereich Berufsunfähigkeit teilweise über Jahre verschleppen würden, um so die Leistungserbringung zu verzögern oder gar zu verhindern.

Doch tatsächlich werden drei von vier BU-Anträgen anerkannt, stellte eine Studie der Ratingagentur Franke & Bornberg fest. Die Leistungsquote der BU-Versicherer sei damit höher als in der gesetzlichen Rentenversicherung, wo nur jeder zweite Antrag auf Erwerbsminderungsrente erfolgreich ist.

Allgemein sind die Kriterien für die Erwerbsminderungsrente, die für nach 1961 geborene Arbeitnehmer gilt, wesentlich strikter. So wird diese beispielsweise lediglich gezahlt, wenn der Arbeitnehmer aufgrund seiner Krankheit oder Behinderung lediglich drei Stunden täglich arbeiten kann - unabhängig von seinem Beruf. Kann ein Arzt also einen Job als Hausmeister annehmen, wird seitens der Rentenkasse keine Leistung erbracht. Eine gute BU-Versicherung - die auf eine abstrakte Verweisung verzichtet - stellt indes nur auf die zuletzt ausgeübte Tätigkeit ab. 

Auch eine jahrelange Verschleppung von Leistungen, wie in einigen Medien oftmals erwähnt, kann durch die Franke & Bornberg-Studie entkräftet werden: 168 Tage braucht ein Versicherer im Durchschnitt, um zu festzustellen, ob ein Versicherungsfall und damit Leistungspflicht vorliegt - 2013 waren es noch 171 Tage gewesen. Anzeichen für eine systematische Verschleppung konnte die Ratingagentur dabei nicht feststellen.

 

Berufsunfähigkeitsversicherung: Ablehnungsgründe

Das Gros der Leistungs-Ablehnungen sei darauf zurückzuführen, dass der vereinbarte BU-Grad (meist 50 Prozent) nicht erreicht werde, so Franke & Bornberg. Anfechtungen und Rücktritte würden ein weiteres Viertel aller negativen Entscheidungen ausmachen. Hier sieht Franke auch die Vermittler in der Pflicht: Sie müssen Aufklärungsarbeit leisten und beispielsweise anonyme Risikovorabanfragen durchführen. So ließe sich mit dem Irrglauben vieler Kunden aufräumen, dass der gewünschte Versicherungsschutz nur mit falschen Angaben zu erhalten sei.

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