Berufsunfähigkeit: Deutsche unterschätzen Risiko

Berufsunfähigkeit von Michael Fiedler

Die Absicherung der Arbeitskraft ist in Deutschland nicht weit verbreitet. Nur 17 Prozent verfügen über entsprechenden Schutz, so eine aktuelle Studie. Ein Grund: Deutsche unterschätzen ihr Risiko, nicht mehr voll arbeiten zu können massiv.

Wenn es um das Thema Einkommensabsicherung geht, scheint ein Großteil der Deutschen eher auf ein wohlmeinendes Schicksal als auf einen hinreichenden Versicherungsschutz zu setzen: Denn in puncto Berufsunfähigkeit hinken die Deutschen im internationalen Vergleich stark hinterher: Nur 17 Prozent haben eine Versicherung gegen den finanziellen Ausfall aufgrund von Erwerbs- und Berufsunfähigkeit abgeschlossen – damit ist Deutschland in dieser Statistik klares Schlusslicht und liegt weit hinter asiatischen Staaten wie Malaysia (63 Prozent) und Hongkong (62 Prozent) zurück.

 

Unterschätztes Risiko

Damit unterschätzen die Deutschen offensichtlich deutlich ihr Berufsunfähigkeits-Risiko: Knapp die Hälfte der Umfrageteilnehmer bezifferte ihr persönliches Risiko auf unter 20 Prozent.

Aktuelle Zahlen der Deutschen Rentenversicherung zeichnen indes ein anderes Bild: So liege die Wahrscheinlichkeit für Frauen bei 35 Prozent, bei Männern bei circa 39 Prozent in der Altersspanne von 20 bis 50 Jahren.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine repräsentative Umfrage der Smith School der Universität Oxford im Auftrag der Zurich Insurance Group, die 11.000 Menschen in elf Ländern befragte.

 

 

Es fehlt an Aufklärung

Das Problem der Deutschen: Mangelndes Wissen. Mehr als jeder zweite Befragte (52 Prozent) gab an, kaum etwas darüber zu wissen, wie er sein Einkommen gegen Erwerbsunfähigkeit oder schwere Krankheit absichern kann – ebenfalls 52 Prozent der Nicht-Versicherten könnten sich aber vorstellen, eine entsprechende Versicherung abzuschließen. 60 Prozent der Befragten gaben zudem an, zwischen ein und fünf Prozent ihres Einkommens als Prämien für eine entsprechende Absicherung zahlen zu wollen, 20 Prozent würden sogar mehr als zehn Prozent hierfür ausgeben. Der Schlüssel liegt hier offensichtlich in der richtigen Beratung – denn für viele Deutsche ist Informiertheit ein wichtiges Kriterium für den Abschluss.

Dieses mangelnde Wissen könnte sich auch in einem zu großen Vertrauen in das staatliche Sozialversicherungssystem widerspiegeln. Doch die staatliche Erwerbsminderungsrente ist an strikte Kriterien gekoppelt: So wird die Erwerbsminderungsrente nur gezahlt, wenn der Arbeitnehmer mindestens fünf Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat. Zudem müssen in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung mindestens drei Jahre Pflichtbeiträge eingezahlt worden worden sein – wer also in dieser Zeitspanne eine längere selbstständige Tätigkeit ausgeübt hat oder eine Familienauszeit genommen hat, steht vor einem Problem.

Zudem deckt die volle Erwerbsminderungsrente nur 32 Prozent des zuletzt erzielten Bruttolohnes ab – im Durchschnitt sind dies nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung 702 Euro im Monat.  Ob dieser Beitrag gehalten werden kann, wird sich in Zukunft zeigen müssen. 

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