Arbeitnehmer verstehen bAV nicht

Berater von Stefan Terliesner

bAV: Studie offenbart Mängel in der Kommunikation. Zur Auswahl stehende Modelle werden kaum erklärt. Welche Merkmale aus Sicht der Belegschaft wichtig sind.

Thomas Jasper

Dr. Thomas Jasper auf der bAV-Konferenz 2015 Screenshot Towers Watson

Nur jeder dritte Arbeitnehmer versteht die Informationen rund um die betrieblichen Vorsorgeangebote. Und nur die Hälfte bewertet sie als nützlich. Dies ist das Ergebnis der Studie „Betriebliche Altersversorgung aus Arbeitnehmersicht“ von Willis Towers Watson. Das Beratungsunternehmen fordert Arbeitgeber auf, „an den richtigen Stellschrauben“ zu drehen. Gute bAV-Angebote müssten auch Merkmale berücksichtigen, die aus Arbeitnehmersicht erfolgsentscheidend sind. In der Pressemitteilung werden diese Merkmale nicht genannt. Auf Anfrage nannte ein Sprecher die aus Sicht von Willis Towers Watson wichtigsten Punkte:

  • 65 % der Befragten ist die Absicherung wichtiger als hohe Erträge
  • 83 % sehen vor allem Inflationsschutz als das wichtige Kriterium
  • 75 % wünschen sich Wahlmöglichkeiten, insbesondere im Hinblick auf flexible Auszahlungsformen und monatlich anpassbare Entgeltumwandlungsbeträge
  • 58 % wünschen sich eine lebenslange Rente anstatt einer Einmalleistung (21 %)
  • Nur 53 % der Arbeitnehmer mit bAV beurteilen die Informationen zur bAV als nützlich

„Matching“ im Trend

Den letzten Aspekt betont die Unternehmensberatung dann in ihrer Pressemitteilung. „Erst wenn Arbeitgeber es schaffen, den Mitarbeitern die betrieblichen Vorsorgeangebote verständlich und bedürfnisorientiert anzubieten, können diese die vorhandenen Modelle überhaupt zur Versorgung in Erwägung ziehen“, wird Thomas Jasper in der Mitteilung zitiert. Die Studie zeige auch: Unternehmen profitieren von der Bindungswirkung der  betrieblichen Altersversorgung. Im Wettbewerb um Talente sei Arbeitgebern die Bedeutung von Versorgungsangeboten durchaus bewusst. Ein Trend: Durch sogenanntes „Matching“ stocken Unternehmen die Arbeitnehmerbeiträge zusätzlich auf, die diese bereits in die bAV investieren, berichtet Willis Towers Watson.

Chef soll aktiver werden

Die personalpolitische Wirkung der Pensionspläne könne sich nur durch gute Kommunikation entfalten. Die Wertschätzung der Mitarbeiter erfolge oft über die Kommunikation der Vorteile und Leistungen. Der Großteil der Arbeitnehmer erwarte einen aktiven Part des Arbeitgebers bei der Bereitstellung einer betrieblichen Altersversorgung. Die Bedürfnisse der Belegschaft müssten bei der Ausgestaltung der Angebote demnach in allen Facetten berücksichtigt werden. Mitarbeiter in Führungspositionen zum Beispiel verlangten oft nach anderen Modellen als die übrigen Gruppen innerhalb der Belegschaft.

Für die Studie hat Willis Towers Watson in Deutschland mehr als 2.000 Arbeitnehmer aus Unternehmen mit 500 bis 10.000 Mitarbeitern befragt.

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